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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Religionsunterricht in höheren Schulen.

Erquickung sein. Und eins von den mannigfaltigen Dingen, welche den Sonntag frisch'und erfreulich machen, ist die empfohlene häusliche Bibelunterhaltung.

Was wir über religiöse Unterweisung im Hause gesagt haben, gilt unter derVoraussetzung des uns für Deutschland noch immer normal scheinenden Zustandes:daß nämlich in der religiösen Erziehung Kirche, Schule und Haus zusammen wirken.Wo das nicht so ist, wo wie in Nordamerika und neuerlich in Holland der Religions-unterricht grundsätzlich von der Schule ausgeschlossen ist (vgl. die Artikel), oder wozwar grundsätzlich die Schule Religionsunterricht ertheilt, aber ungenügend, demGlauben der Kirche und der Familie entgegengesetzt, da tritt die Pflicht des Hauseszur religiösen Unterweisung besonders stark hervor. Die Anschauung derjenigen ernstenChristen, welche die Ausschließung des Religionsunterrichts aus der Schule für un-gefährlich, ja sogar normal halten, hat in der Rede des Amerikaners vr. Bacon inder väueational Oonkoroneo zn Manchester in England gehalten, treffenden Ausdruckgefunden.Wir hängen in Bezug auf den Religionsunterricht unserer Kinder nichtvon den öffentlichen Schulen ab. Ich hätte das Vertrauen nicht, mein Kind mit denKindern der Pfarrei von dem Gemeindeschullchrer in der Religion unterrichten zulassen. Hat Gott nicht einen besseren und trefflicheren Weg des Religionsunterrichtsgeordnet? Wo? In der Familie! Wo ist das Kind geboren? Wo ist seinWesen entwickelt und gepflegt worden? Wem ist der Befehl in der Schrift gegeben:ziehet die Kinder auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn? Dem Staate?Oder der Regierung? Oder dem Schullehrer, welcher 5 oder 6 Stunden des Tagesmit diesen Kindern in Berührung kommt und welcher zu ihnen in dem Verhältnis devAuctorität steht, die Ruthe in der Hand, mit Furcht angesehen? Nein, es heißt:ihr Väter, zieht eure Kinder auf," es heißt:ihr Mütter, zieht eure Kinder auf,"wir glauben, daß ein christliches Volk seine Kinder am besten durch häusliche Erziehungzu Christen heranzieht" (vgl. Kirche und Schule in Nordamerika von vr. H. Wimmer.Leipzig 1853). Mag immerhin da der Sonntagsschule eine besondere Bedeutung zu-kommen, wo in den Schulen überhaupt kein Religionsunterricht gegeben wird. Aberdas Haus wird immer in erster Stelle verantwortlich sein für die religiöse Unter-weisung der Jugend. Schon giebt es auch in Deutschland Zustände, namentlich ingroßen Städten: ein Nichtberührtwerden der Menge von der Kirche, ein ungenügenderReligionsunterricht in vielen Schulen, welche den Hausvätern und Hausmüttern nichtbloß Sorge machen, sondern auch Pflichten einschärfen sollten. Möglich, daß auch inDeutschland die Entwicklung der öffentlichen Verhältnisse zu größerer Entleerung derSchule von christlicher Lehre führt. Wenn infolge solcher Entwicklung der religiösindifferente Staat mit den confessionslosen Schulen sich innig befreundet, dann wirddie Kirche mit dem Hause sich fester zusammenschließen müßen. Je mehr die Kircheden Charakter der Staatskirche verliert und die Schule den Charakter der Staatsschule, erhält, desto mehr wird der ursprüngliche Charakter der Kirche hervortreten, sich ausden Häusern zu erbauen, und desto lebendiger wird in den Häusern der Geist desGlaubens werden. So sehen wir die religiöse Unterweisung in der Familie als eineOrdnung an, die an Wichtigkeit immer zunimmt. Kirche und Kinder gehören zusammenund es ist zu hoffen, daß die Mütter vor allem diesen Zusammenhang pflegen unddurch ihren stillen Einfluß helfen, daß auch die Väter Hauspriester werden und in derKirche die Häuser als Kirchlein bewahren. Wilhelm Baur.

Religionsunterricht in höheren Schulen. I. Geschichtlicher Rückblick.Auf kirchlichem Boden sind im Mittelalter alle höheren Schulen Deutschlands er-wachsen; mit der Kirche standen sie in inniger, lebendiger Beziehung; für die Kircheund zu kirchlicher Frömmigkeit wollten sie ihre Zöglinge erziehen. Aber mehr undmehr veräußerlichte im Verlaufe der Geschichte das kirchliche Leben, indem es sich vonder Einfalt des Evangeliums zu Menschensatzungen und todtem Formelwesen verirrte:der mütterliche Grund und Boden ward von entsetzlicher Dürre heimgesucht; was