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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
Entstehung
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Religiöse Unterweisung in der Familie.

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eine Geschichte, einen Vers, einen Spruch, irgend einen besonders lebendig und faßlichausgesprochenen Gedanken. Die Prediger aber sollten nicht vergessen, daß die reifsteFrucht der Bibelforschung und der Lebenserfahrung, des Durcharbeitens eines Textesfür die eigenthümlichen Verhältnisse einer Gemeinde doch immer die aus der Gottes-kindschaft kommende und zur Gotteskindschaft lockende Einfalt ist.

Außer der religiösen Unterweisung, welche der ganzen Familie durch den Haus-gottesdienst zu Theil wird, außer dem ersten Unterricht, den das Kind vor dem Be-such der Schule von der Mutter hauptsächlich empfängt, außer der Förderung, welchedas Haus der Unterweisung in der Schule und der Kirche angedeihen läßt, müßtedoch die religiöse Unterweisung rm Hause auch in selbständiger Ge-stalt auftreten. Um von vorn herein dem Einwand zu begegnen, als ob die Zeit,die Ruhe, die Sammlung dazu fehle, so weisen wir auf den Sonntag hin als aufden von Gott dazu gegebenen Tag. Der Ruhetag in der Woche ist wie die Ehe eineuranfängliche göttliche Ordnung, stammt wie die Gründung der Familie aus demParadiese. Und so sehr wir des Sonntags bedürfen, als des Zeichens zwischen Gottund uns, um Gottes Volk in der Kirche zusammen zu halten, so unentbehrlich ist eruns für die Bewahrung des Familienlebens. Wenn nun auf die trennende Arbeitder Woche die sammelnde Ruhe des Sonntags in das Haus kommt, wenn die Familieendlich einmal wieder sich für Stunden traulich zusammenfindet wie nahe liegtes, daß sie Gottes Wort mit einander treibt! Der Tag hat viele Stunden. DieGottesdienste in der Kirche nehmen doch nur einen geringen Theil des Tags in An-spruch. Es soll den Einzelnen nicht gewehrt werden, daß sie an diesem Tage einerLieblingsbeschäftigung nachgehcn, sofern sie überhaupt eine sonntägliche ist. Es mögendie älteren Glieder des Hauses Wittwen und Waisen, Arme und Kranke, Verlasseneund Angefochtcne in ihrer Trübsal besuchen, es mag der eine zum Schreiben einesBriefes, der andere zum Lesen eines Buches sich zurückziehen, ein Dritter ganz ruhigsitzen. Aber die Familie muß doch wieder zusammcnkommen. Wenn dann Gott seineWelt am Sonntag in solcher Schönheit seinen Kindern vor die Angen stellt, daß manrufen mag:Herr mein Gott, du bist sehr herrlich, du bist schön und prächtig ge-schmückt!" dann mag die Familie hinauswandern und die unsichtbare Kraft und Gott-heit an den Werken der Schöpfung ahnen. Aber es gicbt regnerische Sonntage, eskommt der rauhe Herbst und kalte Winter was machen wir mit den langen Nach-mittagen und Abenden des Sonntags? Wir gebrauchen sie zu religiösen Unter-weisungen im Hause. Wir lassen alle zusammenkommen, die im Hause wohnen, Jungund Alt. Wenn möglich, nimmt jedes seine Bibel. Wer mit in der Runde sitzt, liestseinen Vers in der Reihe. Es macht den Kindern so große Freude, wenn die Elternund Tanten und wer sonst da ist, es gerade so machen wie sie. Dann wird überdas Gelesene gesprochen. Die Kinder werden gefragt. Die älteren Theilnehmersprechen selbständig ihre Gedanken aus. Es werden die Parallelstellen ausgesucht undein schöner Wetteifer im Finden entsteht. Hülfsmittel zum Verständnis der heiligenSchrift werden herbei geholt. Wer Schnorrs Bilderbibel nicht hat, in dessen Hausefindet sich vielleicht eine ältere oder neue Bilderbibel. Wer das Buch der BrüderStrauß über die Länder der heiligen Schrift mit den vielen Bildern in Farbendrucknicht besitzt, der hat vielleicht aus dem Calwer Verlag die biblische Geographie undNaturgeschichte. Die Unterhaltung wird lebendig, die Anschauung deutlich. Wederder erbauliche Ton der Predigt, noch der gemessene Ton des Schulunterrichts herrschtdabei. Die Familie ist ja beisammen und es geht alles traulich und fröhlich zu. EsWird so oft die Befürchtung ausgesprochen, daß durch eine ernstere Sonntagsfeier denKindern der Sonntag und damit Kirche und häusliche Bibellehre verleidet werde. Wirfanden noch immer den Sonntag eher zu kurz als zu lang. Man gebe ihm eineMannigfaltigkeit, die in festlich belebter Ruhe ihre Einheit hat, und er wird einePLvag. Encvklopadie. VII. 3