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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Religiöse Unterweisung in der Familie.

die bereits empfangene Belehrung gottesdienstlich zu bezeugen, befestigt er zugleich dieErkenntnis und führt sie weiter. Es versteht sich von selbst, daß zu dem Hausgottes-dienst als der geweihtesten Zusammenfassung der Familie zu einem Organismus alleBewohner des Hauses versammelt werden. Der Hausvater und die Hausmutter, welchedie Andacht leiten, bewähren ihre Bekanntschaft mit dem Worte Gottes durch die Aus-wahl der Lesestücke. Die Kinder haben Gelegenheit, was sie von Sprüchen, Katechis-muserklärungen, Gebeten und Liedern ihrem Gedächtnis eingeprägt haben, andächtigzu singen und zu sagen. Das Gesinde, ob eS auch nur im Gesänge sich vernehmenläßt, nimmt doch an dem, was die Kinder sagen, lebhaften Antheil und erinnert sichihres einst im Hause, in der Schule, in der Kirche der Heimat empfangenen Unter-richts. Und wenn Handwerker, Tagelöhner, Wäscherinnen im Hause sind, ja, wennbeim Beginn des Hausgottesdienstes Bettler sich melden, so werden auch sie Herbei-gerusen wie manchmal geschieht es, daß die zufällige Theilnahme an einem Haus-gottcsdienst solchen, welche dem Worte Gottes und dem Gebetsleben entfremdet sind,zur ersten kräftigen Unterweisung dient über die Christenpflicht, täglich Gottes Wortzu lesen und täglich Gott anzurufen mit Beten, Loben nnd Danken. Wenn nun derHausgottesdienst schon durch sich selbst, unabsichtlich, die christliche Erkenntnis mannig-faltig fordert, so schließt das nicht aus, daß derselbe zu solcher Förderung absichtlichverwerthet wird. Wie heilsam tritt durch die Ordnung des täglichen Lesens an denHausvater oder die Hausmutter die Frage heran: verstehst du auch, was du liefest?Es sollte in keinem Hause eine Bibelerklärung fehlen, je nach dem Bildungsgrade einepopulärere und kürzere oder eine wissenschaftlichere und ausführlichere. Und Männern,die die griechischen Klassiker gelesen haben oder noch lesen, würde es Wohl anstehen,wenn sie auch mit dem griechischen Texte des neuen Testaments sich vertraut machten.Diese BibclkenntniS Würde im HausgotteSdicnst dann auf die natürlichste Weise zurBelehrung verwerthet. Ein biblisches Capitel, das ohne alle Andeutung über denZusammenhang, in welchem es steht, über die ursprüngliche Veranlassung, dem es seineEntstehung verdankt, über die eigenthümlichcn Verhältnisse, auf die es sich bezieht,unverständlich und darum unerfreulich und unerbaulich klingt, wird durch ein paarWorte in ein Helles Licht gesetzt. Wir denken dabei nicht an eigentliche Bibelaus-legungcn, welche der Hausvater zu geben hätte, sondern nur an ganz kurze einleitendeoder eingestreute Bemerkungen. Die eigentliche Geschichte alten und neuen Testamentswird sich ja meist selbst auslegen. Aber wie sehr wird die Aufmerksamkeit gefördertWerden, wenn über Assur oder Mizraim oder Tyrus, wider welche die Weissagungdes Propheten geht, über die Heuschrecken, welche Joels Prophetenwort veranlaßt,über den Hirtenstand des Amos, den der Geist Gottes von den Rinderherden aufThekoas Gefilden zu den Götzenaltären des nördlichen Reiches treibt, ein Wort gesagtwird. Und im neuen Testamente wie viel Licht wirft Petrus und Johannes Ge-müthsart und Lebensführung in ihre Briefe, wer versteht den Hebräerbrief, ohnedaß er immer wieder an den Gottesdienst des alten Bundes erinnert wird, wie not-wendig ist in Paulus Briefen immer wieder ein erklärendes Wort über Schreiber undLeser, bleibt nicht z. B. der kleine Brief an den Philemon eine unerkannte Perle, ohnedaß über den Onesimus,der weiland unnütze war, nun eben wol nütze ist," etwasgesagt würde? Und wie der Hausvater durch solche ganz knapp gehaltene Bemer-kungen die Aufmerksamkeit spannt, so kann er sie durch kurze Fragen, vor oder nachdem Lesen, wach erhalten. Alle göttliche Ordnung ist in Gefahr, unter den Händender Menschen irgendwie verderbt zu werden. Eine Hauptgefahr für den Hausgottes-dicnst ist das Verfallen in den Mechanismus. Ist es ein todtes Werk mit dem Lesen,Beten und Singen, dann kann man sich wohl einen Jahre lang fortgesetzten Haus-

Ganz be'ondcrs zu empfehlen ist auch für Hausväter und Hausmütter das biblischeWörterbuch von Zeller (Gotha 1866 in 2. Auflage).