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[1] (1821) [Altes Testament]
Entstehung
Seite
743
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Klaglied

Klaglieder L 5. und Gebeth Jeremiä. 743

Dem Säugling klebt seine Zunge an seinemGaumen vor Durst, die jungen Kinder heischenBrot, und ist Niemand, der es ihnen breche.

5. Die vorhin das Niedlichste aßen, verschmach-ten jetzt auf den Gassen; die vorhin in Seidenerzogen find, die mäßen jetzt im Koth liegen.

6 . Die Missethat der Tochter meines Volksist größer, denn die' Sünde Sodoms, die plötz-lich umgekehret ward, und kam keine Hand dazu.

* 1 Mos 18/ 20 . c. 19/ 4.

7 . Ihre Nazaräi waren reiner, denn derSchnee,und klarer, denn Milch ; ihre Gestatt war röth-licher, denn Korallen, ihr Ansehen war wieSaphir.

8 . Nun aber ist ihre Gestalt so dunkel vorSchwärze, daß man fie auf den Gassen nichtkennet; ihre Haut hänget an den Beinen, undfind so dürre als ein Scheit.

s. Den Erwürgten durchs Schwert geschahbesser, weder denen, so da Hungers starben,die verschmachteten und erstochen wurden vomMangel der Früchte des Ackers.

,io. Es haben die * barmherzigsten Weiber ihreKinder selbst mäßen kochen, daß fie zu essen hättenin dem Jammer der Tochter meines Volks.

* c. 2, 20. 6 Mos. 28/ LZ.

11. Der Herr hat seinen Grimm vollbracht,er hat seinen grimmigen Zorn ausgeschüttet;er hat zu Zion * ein Feuer angesteckt; das auchihre Grundfeste verzehret hat. * Jcr. 17 / 27.

12. Es hätten es die Könige auf Erden nichtgeglaubt, noch alle Leute in der Welt, daß derWiderwärtige und Feind sollte zum Thor Je-rusalems einziehen.

13. Es ist aber geschehen um der Sünde willenihrer Propheten, und um der Missethat willenihrer Priester, die darinnen der Gerechten Blutvergossen.

1^. Sie gingen hin und her auf den Gassen,wie die Blinden, und waren mit Blut besudelt,und konnten auch jener Kleider nicht anrühren;

15. Sondern riefen fie an: Weichet ihr Un-reinen , weichet, weichet, rühret nichts an.Denn fie scheueten fich vor ihnen und flohenfie, daß man auch unter den Heiden sagte: Siewerden nicht lange da bleiben.

16. Darum hat fie des Herrn Zorn zerstreuet,und will fie nicht mehr ansehen, weil fie diePriester nicht ehreten, und mit den Nettestenkeine Barmherzigkeit übten.

17. Noch gafften unsere Augen auf die nichtigeHülfe, bis sie gleich müde wurden; da wir

warteten auf ein Volk, das uns doch nicht helfenkonnte.

18. Man jagte uns, daß wir auf unfern Gas-sen nicht gehen durften. Da kam auch unserEnde, unsere Tage find aus, unser Ende istgekommen.

19. Unsere Verfolger waren schneller, denn dieAdler unter dem Himmel; auf den Bergen habenfie uns verfolget, und in der Wüste auf unsgelauert.

20. Der Gesalbte * des Herrn, der unser Trostwar, ist gefangen worden, da sie uns verstörten;deß wir uns trösteten , wir wollten unter seinemSchatten leben unter den Heiden. *ser.- 2 , 8 . 11 .

21. Ja, freue dich und sey fröhlich, ' duTochter Edom, die du wohnest im Lande Uz:denn der 1 Kelch wird auch über dich kommen,du mußt auch trunken und geblößet werden.

* Ps. 137/ 7. 1- Jer. -19, 12.

22. Aber * deine Missethat hat ein Ende, du

Tochter Zion; er wird dich nicht mehr lassenwegführen: aber deine Missethat, du TochterEdom, wird er heimsuchen und deine Sündenaufdecken. , * «M. 4 o, 2.

Das 5 . Capitel.

Jercmiä Gcbcth um Erlösung des übel geplagten Jüdischen Volks.

1. gedenke, Herr, wie es uns gehet; schaue,^ und stehe an unsere Schmach.

2. Unser Erbe ist den Fremden zu Thei! ge-worden, und unsere Häuser den Ausländern.

3. Wir find Waisen, imd haben keinen Va-ter; unsere Mütter sind wie Witwen.

Unser eigenes' Wasser mäßen wir um Geldtrinken; unser Holz muß man bezahlt bringenlassen.

5. Man treibt uns über Hals; und wenn wirschon müde find, läßt man uns doch keine Ruhe.

6 . Wir haben uns müßen Egypten und Affurergeben, auf daß wir doch Brot satt zu essenhaben.

7. Unsere * Väter haben gefündiget, und findnicht mehr vorhanden; und wir müßen ihreMissethat entgelten. '2Mos.2o,-.Jcr.3i/29.sz,i«/2.

8. Knechte herrschen über uns; und ist Nie-mand, der uns von ihrer Hand errette.

9. Wir müßen unser Brot mit Gefahr unsersLebens hohlen vor dem Schwert in der Wüste.

10. Unsere Haut ist verbrannt, wie in einemOfen, vor dem gräulichen Hunger.

11. Sie haben die Weiber zu Zion geschwachet,und die Jungfrauen in den Städten Juda.