Mädchcninstitute.
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keineswegs immer ans dem Umstande zu erklären ist, daß eß den Betreffenden am Ge-müth fehle, sondern vielmehr zuweilen gerade aus dem entgegengesetzten. Niemalswerden Kinder, es seien Knaben oder Mädchen, den leitenden Personen der Pensions-anstalt die Stelle der Eltern in ihrem Herzen cinräumcn, aber viel weniger wird es einMädchen thun, als ein Knabe. Wenn Jean Paul (Lcvana H 89) sagt, „das Höchste,was ein Mädchen in einer Pension wiederfinden körlnte, wäre eine Mutter, aber dochwürde der Vater mangeln," so kann dies nur etwa in dem Sinne gelten, daß es zuseiner Zeit keine Institute der Art gab, an deren Spitze ein Familienvater stand. Ganzfalsch wäre es, wenn es heißen sollte, die Mutter könnte dem Mädchen in der Pen-sion eher ersetzt werden, als der Vater. Gerade der Mangel des mütterlichen Ein-stusses wird daher auch von den meisten als der beklagenswertheste dargestellt. Ist esdoch in der Familie gerade die Mutter, welche dem Heranwachsenden Mädchen die Rich-tung geben, die Empfänglichkeit für alles gute und schöne in der Seele desselbenWecken und, ohne ein eigentlich planmäßiges Einwirkcn, durch das Vorbild edler Weib-lichkeit und durch den stillen aber mächtigen Rapport, in welchem sie als Weib undals Mutter zur Tochter steht, den rechten Grundton des weiblichen Lebens in demGemüthe des Märchens anschlagen muß. Sehr richtig führt H. H. Friedländerin seinem trefflichen Aufsätze über Mädchenpensionen (Blätter für weibliche Bildung,unter Mitwirkung von vr. Seinecke von H. H. Friedl ander und N. Schorn-stein heransgegeben und leider nicht fortgesetzt 1849 S. 52) das Beispiel solcherMütter an, die wegen jahrelanger Kränklichkeit und Hinfälligkeit nicht im Stande waren,sich der Erziehung ihrer Töchter zu widmen, und welche doch durch ihre liebliche sitt-liche Erscheinung, durch den Frieden, den sie mitten unter den Leiden ihres Lebensathmeten, und durch die Geduld, mit welcher sie diese trugen, den heilsamsten Einstußauf das Gemüthsleben ihrer Töchter übten. Mit Recht spricht er aus, daß die eigen-thümliche und in ihrer Art'einzige Vertraulichkeit, die zwischen Mutter und Tochterbesteht, durch beständiges Zusammenleben gewonnen und genährt werden müße, daßsie sich nicht auf Commando übertragen lasse und namentlich in demjenigen Alter nichtunterbrochen werden dürfe, in welchem wichtige Fragen des weiblichen Lebens ihreLösung fordern. Schwerlich wird also in der Pensionsvorsteherin, der „Tante," wiesie eben darum so oft genannt wird, ein wirklicher Ersatz für die fehlende Mutter ge-funden werden können; wie gütig, wie gewissenhaft, wie wachsam und wie taktvoll sieihre Pflichten an den anvertrauten Zöglingen erfüllen mag, niemals wird sie denselbeneine Mutter werden. Wir gehen nicht so weit, die Frage, ob sie wirklich ein Mutter-herz für ihre Pensionstöchter haben könnte, ohne weiteres zu verneinen, denn, wie wirdie weibliche Natur auffassen, so ist uns der mütterliche Sinn eben ein nothwendigesMoment im Wesen der Weiblichkeit überhaupt, und das Leben bietet Beispiele genugauch auf dem Gebiete der Jnstitutserziehnng von solchen Frauen, die, ohne Mütter zusein, an echter mütterlicher Treue viele Mütter überstrahlen; aber es fehlt eben indiesen künstlichen Verhältnissen das mächtige Band der Natur und die Kinder werdendarum dem Einflüsse auch der gütigsten „Tante" immer eine gewisse Sprödigkeit ent-gegensetzen, die ihnen auch nicht verdacht werden kann. Das aber muß freilich zuge-geben werden, daß, wie die betreffenden Vorsteherinnen nur zu oft beschaffen sind, vonjenen Citationen zur „Tante," um dort einen strengen Sermon auszuhalten, unmöglichein erziehlicher Einfluß erwartet Werden kann, der nur im entferntesten der mütterlichenErmahnung gleich käme. Aber Wenn die Uncrsetzlichkeit der Mutter nicht geläugnetwerden kann, so darf im Gegensatz gegen Jean Paul keineswegs etwa behauptet wer-den, daß das Mädchen in der Pension, wo nämlich ein Mann sie leitet, noch eher denVater, als die Mutter wiederfinden könne. Der richtige Gegensatz ist vielmehr der,daß das Mädchen die Mutter sowohl, wie den Vater schwerer entbehren wird, als derKnabe, nnd zwar darum, weil die stärker und früher hervortretende, tiefer das ganzeLeben des Weibes bedingende Geschlechtsqualität das Mädchen an die eigene Mutter