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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Muttersprache.

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als Figur zum Beweise, denn Exempel beweisen nichts, sondern als aus dem Leben ge-griffene Illustration. Ein kleiner jnnger Herr, kein Deutscher, der seine Mutterspracheso sprach, wie man es von einem Dreijährigen erwarten kann, auch zu der Gouver-nante sagen konnte: don jour, Naäsmowslls und morei u. dgl., bekam eine englischeBonne, frisch aus England importirt, welche nur englisch verstand. Die Französin,welche die Schwestern in Behandlung hatte, liebte der Kleine nicht; die Engländerindagegen, welche von früh bis spät um ihn war, nur mit ihm spielte und fortwährendenglisch plauderte, gewann er sehr lieb: ja er fragte einmal seine Mutter, ob MißHarriet einer von den Engeln sei, die bei Nacht an den Bettchen der Kinder sitzen. Aberstumm hörte er ihrem Gespräch zu, längere Zeit sprach er kein Wort mit ihr als schüch-terne, geflüsterte Begrüßungen und Schmeichelworte, die nicht verstanden, aber ohne An-stand englisch erwidert wurden. Plötzlich fieng er eines Tages an ä lanosr cks3 pürasssanFlaisss, wie die Gouvernante sich ausdrückte; und zwar gleich so nett und gut, daß eseine Freude war es anzuhören. Dieses Englisch sprach er indessen vorerst mir mit derEngländerin, die Muttersprache mit Eltern, Dienern, Bekannten gieng 'unbehindertihren Weg fort, sein Sprachgefühl für dieselbe wurde offenbar keineswegs beeinträch-tigt, im Gegentheil schien es eher geschärft, beide Zungen Waren eben ganz Wohl ge-schieden. Er wurde ein aufgeweckter, fleißig lernender Junge, und war in seinem elftenJahre, bis wohin die Beobachtung reicht, auch ein eifriger Patriot, der alle Nationenbesiegen wollte, und nationale Lieder mit großem Eifer sang. Er sprach drei bis vierSprachen mit sehr markirter, richtiger Aussprache, und leidlicher Phraseologie; dieMuttersprache aber war ihm augenscheinlich die beste und liebste. Wenn diese ersteBedingung gewahrt wird, scheint allerdings das angeführte Verfahren der Einführungin ein fremdes Sprachgebiet gefahrlos zu sein. Wenn die Wurzel unbeschädigt bleibt,kann ja auch ein Gewächs versetzt werden, und entwickelt dann seine ihm eigentüm-lichen, prästabilirten Eigenschaften nur um so kräftiger.

Ueberhaupt aber darf die Aufgabe, eine fremde Sprache so rein und vollkommenzu sprechen, daß ein Ausländer, dessen Muttersprache sie ist, einen Landsmann zu hörenglaubt, gar nicht so allgemein gestellt werden. Diese Perfection der Aussprache istnun aber Wohl der wesentlichste Erfolg jener frühen Angewöhnung. Eben darum,neben den weiteren Schwierigkeiten und Bedenken, können wir füglich die besprocheneMethode als eine für Einzelne anwendbare Ausnahme von der Regel bezeichnen.Sind doch auch bekanntlich nur wenige in der Lage, für ihre Kinder schon im frühenAlter ausländische weibliche oder männliche Sprachlehrer zu halten. Daß dergleichenin einer Kleinkinderschule versucht würde, worüber man sich entsetzen müßte, ist ja nichtanzunehmen. Es ist dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen.Selbst das geläufige Sprechen einer neuern Sprache möchten wir nicht als eine all-gemeine Forderung anerkennen. Wenn man genau zusieht, so wird man finden, daßes immer verhältnismäßig nur wenige sind, welche dazu gelangen, wie nur wenige inder That es wirklich brauchen. Wer sind sie denn? Einmal die höchsten Kreise, welchegleichsam in einer europäischen Societät leben, bei denen das Zusammentreffen mitIndividuen anderer Nationalität etwas gewöhnliches ist; diese müßen also die höfischeund diplomatische Weltsprache, das Französische zu sprechen wissen, und zwar gutes, ele-gantes, feines Französisch, so will es einmal der Ton. Ferner verlangt man Wohldergleichen von Lehrern und Lehrerinnen: allein hier bleibt es oft nur bei der Forde-rung, die Leistungen sind derselben nicht immer entsprechend. Bedeutend leichter zubefriedigen sind endlich die Bedürfnisse der Kaufleute, der Postbeamten, der Hotelbesitzer— bis zu den Portiers herab. Da ist bloß Scheidemünze erforderlich. And doch,was Wohl zu merken, wird selten einer die hier nöthige Fertigkeit im Sprechen aufeiner Schule, wenigstens nicht leicht in einer öffentlichen Schule erworben haben, wohlaber, Wenn die Schule gut ist, die beste Vorbereitung dazu, die fremde Sprache sprach-richtig handhaben zu lernen. Das, was er braucht zum Geläusigreden, lernt er am