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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lnthrr.

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Nachmittags die erste Stunde Ausioa geübt werden. Ausgelegt werden labulas ^ssopi,xasdologia Älossllani, auserwählte Oolloguia Lrasmi, später ll'srsntius und etliche ku-dulas l?luuti, die rein sind. Ans Auswendiglernen von Sentenzen wird besonderer Werthgelegt. Ueber die Grammatik heißt es:Denn kein größerer Schaden allen Künsten magzugefügt werden, denn wo die Jugend nicht wohl geübct wird in der 6rammatioa."In den dritten Haufen sollen die geschicktesten ausgewählt werden. Die Musik wirdhier ebenfalls täglich geübt. Gelesen werden Virgil, Ovids Metamorphosen, von Ciceroäs otüoiis oder die spistolas uck kamiliarss. Aus der Grammatik werden die Lgurasssrmonis erläutert. Ist die Grammatik genugsam geübet, so folgt vialsotioa und lklrs-toriou. Von den Schülern des zweiten und dritten Haufens soll alle Wochen einmalSchrift, als Episteln oder Verse gefordert werden.Denn dieselbe Uebung (der Verse) istsehr fruchtbar, andere Schrift zu verstehen, machet auch die Knaben reich an Worten undzu vielen Sachen geschickt."Es sollen auch die Knaben dazu angehalten werden, daßsie Lateinisch reden, und die Schulmeister sollen selbst, so viel möglich, nichts dennLateinisch mit den Knaben reden, dadurch sie auch zu solcher Uebung gewöhnet undgereizet werden." Ueber die christliche Unterweisung und den Umfang derselben inBezug auf Katechismus und Bibel haben wir bereits oben die Bestimmungen desSchulplanes angeführt.

Für den großen Werth, der hier der Grammatik beigelegt wird, spricht sichLuther auch sonst mit Nachdruck aus. Aber bei aller Anerkennung derselben hielt erdoch auch viel auf das Erlernen der Sprachen durch Uebung. Wie man das Deutscheaus der mündlichen Rede im Hause, auf dem Markte und in der Predigt besser, alsaus Büchern erlerne, so würden auch die Sprachen, welche die allergewißesten Regelnhaben, als die lateinische und griechische Sprache, vielmehr aus Uebung und Gewohn-heit, als aus Regeln erlernt. Auch warnte er davor, das Wortverständnis, wie esdurch Hülfe der Grammatik gewonnen werde, nicht zu überschätzen, da die Erkenntnisder Worte nichts helfe, sobald Erkenntnis der Sachen fehle. Dagegen werde derWortverstand oder die Grammatik leicht, wenn manden Handel" recht verstehe.Dabei erinnert er an Horatius (art. post. 311) vsrlmgus provisam rsrn non invitassizusntnr.

Ueber die Dialektik und Rhetorik, die mit dem dritten Haufen getriebenwerden sollten, spricht er öfters in den Tischreden,Dialectica ist nur ein Instrumentund Werkzeug, dadurch wir fein richtig und ordentlich lehren, was wir wissen und

verstehen.-Dialectica gibt nicht die Materie, davon man reden oder lehren will,

sondern lehret nur, wie man fein ordentlich, eigentlich und richtig, kurz und einfältig

davon lehren und reden soll.-Sie weiset fein den Weg, woher mans nehmen,

und was recht oder unrecht, eigentlich und gewiß, erkennen und richten oder urtheilensoll. Dialectica lehret, Rhetorica moviret und bewegt: diese gehört zum Willen, jene

zum Verstände.-Die fürnehmste Frucht und Nutzen der Dialectica ist, ein Ding

fein rund, kurz und eigentlich definiren und beschreiben, was es gewiß ist n. s. w."

Ein unmittelbar von Luther herrührender Schulplan ist nicht mehr vorhanden.In einem Briefe an Spalatin vom Jahre 1521 hatte er die Forderung, einen Schul-plan auszuarbeiten, mit den Worten abgelehnt: supra msas virss sst, guocl pstis,ut p^mnasii sliristiani tormam unus prasssridam. Drei Jahre später schickte ergleichwohl an Spalatin einen Schulplan.Ich schicke dir, schreibt er, einen Schulplan,um ihn dem Kurfürsten vorzulegen; wiewohl ich keinen großen Erfolg erwarte, muß esdoch in des Herrn Namen versucht werden." Aus einem Briefe, in welchem Melanch-thon an Camerarius über das Visitationsbüchlein schreibt: vidss, nillil aliud wo

soripsisss, guam guod passim tradidit Imtllsrus, schließt Raumer, daß MelanchthonsPlan mit dem Lutherschen sehr übereinstimmte. Man darf überhaupt wohl annehmen,daß Luther bei Approbation des Sächsischen Schulplanes auch etwa abweichende An-sichten denen des Melanchthon, die er in Schulsachen mit Recht hoch hielt, unterordnete.