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4 (1865) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Launenhaftigkeit.

ist, weder festbestimmte Borstellnngs- noch Gefühlskreise besitzt, auf Welche sich dieGesühlscrregung vertheilen könnte, so füllt jede angenehme oder unangenehme Empfin-dung momentan sein Gemüth aus, und daß es in diesem Augenblicke weint, imfolgenden wieder lacht, ist ganz natürlich. Aber ebenso natürlich ist eS, daß es keinemUnlnstgefühle nachhängt, daß es noch keine „Launen", sondern nur Eine Laune, denFrohsinn (vgl. d. Art.) habe, der recht eigentlich sein Lebenselement ist. Wenn esaber Grillen fängt und übler Laune sich hingiebt, so ist dies ein krankhafter und fehler-hafter Zustand, der durchaus bekämpft und fern gehalten werden muß. Der Launen-hafte ist in seinen Stimmungen ungleich und unznverläßig, der Wechsel derselben hängtvon Zufällen, von Kleinigkeiten ab, die ein Dritter gar nicht ahnen oder voraussehenkann, und ein solcher Mensch kann ohne irgend genügenden Grund heute mürrisch,widerhaarig, sogar grob, und morgen höchst liebenswürdig sein. Nicht sowohl dasWunderliche, als vielmehr der nnmotivirte Wechsel stempelt die Launenhaftigkeit zumFehler« Zur Verhütung der Launenhaftigkeit beim Kinde ist schon die Art wichtig, wieman seine ersten Bedürfnisse befriedigt. Einerseits kann, wenn das Kind mit seinemBegehren zu lange hingehalten oder gar nicht beachtet wird, leicht ein Gefühl derSchwäche und Unlust sich im Gemüthe festsetzen; andererseits kann aber auch, wennman allzuängstlich jeden Laut und jede Bewegung des Kindes beachtet, der selbstsüchtigeTrieb entstehen, durch Schreien zu commandiren und den Einfluß auf die Erwachsenengeltend zu machen. Da sich aber bald die Unmöglichkeit heransstellt, jedem Verlangenzu willfahren, so wird dann durch die getäuschte Erwartung das in jeder Begierde vor-vorhandene Unlustgefühl um so mehr verstärkt, als der kleine Mensch nicht gelernt hat,an sich zu halten und wider das Unangenehme zu reagiren. Kinder reicher Eltern, dieschon in der Wiege von einer Menge dienstbarer Geister sich umgeben finden, zeigen sichauch am meisten zur Launenhaftigkeit geneigt. Indem man sie dermaßen mit Spielsachenüberschüttet, daß der Besitz seinen Reiz verliert und sie am Ende selbst nicht mehr wissen,was damit anfangen, da sie bei dem schnellen Uebergange von einem Gegenstand zum andernkeinen recht lieb gewinnen können, reizt man sie zur Uebellannigkeit, während die Aermercn,welche das Wenige hegen und pflegen und durch Selbstthätigkeit zu Vielem machen, stetszu guter Laune disponirt sind. Je selbstthätiger, desto froher ist der Mensch, darum beugeman der Uebellannigkeit dadurch vor, daß man das Kind stets in frischer Anregung undThätigkeit erhält. Die meisten Unarten entstehen ans Langeweile. Bleiben die leib-lichen und geistigen Bewegungstriebe unbefriedigt, so entsteht Unmuth und Verdrossen-heit, das Gemüth wird auf sich selber znrückgeworfen und muß, wie der hungerndeMagen, an sich selber zehren. Darum werden auch kränkliche Kinder so leicht launen-haft. Da mit der Kränklichkeit stets auch eine größere Empfindlichkeit verbunden ist,so behandle man sie mit zarter liebreicher Schonung, doch keineswegs mit weichlicherNachgiebigkeit, vielmehr ist auch bei ihnen das Gefühl der eigenen Kraft zu erregendurch lobende Anerkennung ihrer Standhaftigkeit im Schmerz, sowie durch unablässigeLenkung ihrer Aufmerksamkeit auf die Außenwelt und solche Dinge, die ihr Interesseanznregen im Stande sind. Das kranke Kind soll nicht minder als das gesunde zurErkenntnis kommen, daß es ein Unrecht an sich und anderen begeht, wenn es derüblen Laune nachgiebt, und dem gesunden Kinde soll man zu Gemüthe führen, daßsolche Schwäche vielmehr Verachtung als Beachtung verdient. Ist Eitelkeit und Aergerüber vermeintliche Zurücksetzung im Spiel, so werde die üble Laune gar nicht beachtet;sie dauert gewöhnlich nicht lange. Bei leicht erregbaren Gemüthern bedarf es vonSeiten des Erziehers, wenn er rechtzeitig den Beginn der Uebellannigkeit gewahrt,nur eines warnenden Winkes oder Wortes, um dem kindlichen Humor wieder aufzu-helfen. Auf keinen Fall dulde man öftere Wiederholung. Längere Nachgiebigkeit läßtdie Launenhaftigkeit in einen schwer zu beseitigenden Hang ausarten, der nur zu gernemit dem selbstsüchtigen Trotz und Eigensinn sich verbindet. Wie in allem verbotenenliegt ein keineswegs geringer Reiz darin, die trübe Stimmung der Umgebung zum Trotz