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4 (1865) Kirche - Muttersprache
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Lachen.

statten muß. Ist doch elfteres gleichsam eine Bewegung der frischen Luft in Lunge undBlut, und der im Wachsthnm begriffene Körper bedarf mehr Luft als der gealterte.Dagegen ist darauf zu sehen, daß jene natürliche Lebensäußerung nicht ansarte, nochihr durch Unrechte Mittel gedient werde. Es giebt eine Verwilderung im Lachen. DasBenehmen eines Erwachsenen, der in Gesellschaft rohe Witze reißt und dazu selbst dasSignal unmäßigen lauten Gelächters giebt, ist pöbelhaft. Findet sich unter einer Schaarjunger Leute der eine oder der andere, welcher hierin seine Vorstudien zu machen an-fangen will, so ist den: ernstlich zu begegnen. Lustige Kinder sind auch Wohl zu unter- l

scheiden von Possenreißern, welche sich selbst herabwürdigen und in der Regel schnell i

die Grenzen des Unständigen überschreiten; denn das Bedürfnis, Lacher um sich zuhaben, erfordert eine Steigerung des Lachreizes, und hier pflegt es dann bald immerplumper zu kommen. Lachen soll nie Zweck werden, sondern darf nur Folge sein.

Daher auch Lustspiele am schwierigsten gelingen, von den ehemaligen Hofnarren aber,als welche dazu ausgestellt waren, Lachen um jeden Preis zu erregen, erzählt wird, daßsie durch künstliche Mishandlnng, Hunger, Einsperren, Schrecken u. s. w. zu ihremtraurigen Dienst seien vorbereitet worden. Die großen Herren vor Alters mochten aller-dings zu ihren reichen Mahlzeiten auch reichlichen Lachens benöthigt sein, um destomehr Sauerstoff aus der Lust den: dicken Blut zuzuführen und den inner« Organendie Ueberwindung der zu sich genommenen Massen zu erleichtern. Lachen kann an-steckend werden unter gewissen Umständen. In der Nähe von Ferien oder Kinderfestensind die Schüler oft von einer kaum zu bändigenden Lachlust eingenommen, und eineKleinigkeit reicht hin zum allgemeinen Ausbruch. Aber auch bei länger dauernderDepression des Gemüths tritt oft diese Neaction durch jenen Affect ein, durch welchendie Natur die Gesundheit mechanisch und chemisch befördern will; so während der Dauerlanger und schwerer Krankheiten und sogar in den Häusern wirklicher Trauer. JungeLeute, welche unvernünftig streng erzogen und daran gewöhnt werden, die heiteren Re-gungen der Lebenskraft für Sünde anzusehen, kann man zuweilen über eine Kleinigkeitin nicht enden wollendes Gelächter ausbrechen sehen eine momentane Selbsthülfegegen unnatürliche Hemmung.

Aristoteles läßt das Lächerliche ans einerunschädlichen Ungereimtheit" entstehenund hierin werden wir zugleich einen Fingerzeig für die sittliche Beurtheilung erkennen.

Das Ungereimte, sobald es schädlich wirkt, hört auf ein Gegenstand des Lachens zusein. Z. B. ein Knabe, mitten im Spiel zu Boden fallend, macht eine komische Figur,zumal wenn solches ans einer ernsthaft scheinenden Nolle, als Held, Redner re. ge-schah; hier hat das Lachen freien Lauf, denn das Fallen junger Leute ist in der Regelunschädlich für den Körper und unverletzend für ihre Würde. Ganz anders ein Mann,ein Greis, der ernsthaft über die Straße schreitet und strauchelt. Der Kontrast ist hierstärker und insofern der Reiz zum Lachen größer, aber die natürliche Lachlust mußdabei ihre Gegenwirkung in dem Mitleid und im Respect finden. Ein Vater oderLehrer geht auf schmalem Brett, wenn er sich selbst zum Gegenstand des Lachens beiden Kindern macht; das Ungereimte, was er thut, wirkt schädlich ein auf dasjenige,was er ist. Witzworte über Gegenstände, die den Zöglingen ehrwürdig sein müssen,sind schädliche Ungereimtheiten, und es kann sich fragen, ob der Possenreißer, welcherseine eigene Person zum Besten giebt, nicht doch den Vorrang vor dem selbstsüchtigenSpötter hat. Aeltere Personen, die ans Lachen als solches ausgehen, werden schaal,aus das Lächerliche aber in der Art Jagd zu machen, daß man dabei sich selbst zuleben sucht, indem man andere und anderes erniedrigt, ist unwürdig. Es ist ein Unter-schied: belachen und auslachen; elfteres geschieht unwillkürlich, letzteres geht aus Schaden-freude hervor. Belächeln kann man aus Gutmüthigkcit oder aus Hochmuth. Wer nochüber vieles lacht, hat noch über weniges nachgedacht. (Der Verständige findet alleslächerlich, der Vernünftige nichts. Ottiliens Tagebuch.)

Je nachdem in einem Kinderkreis ein Lachen entsteht, und sie wollen darüber keine