216 Die Reichstagssession von 1888-89.
ganz wertlosen Sachen wollen Sie von uns nochKonzessionen erpressen!
Er hat außerdem in Aussicht gestellt, daß unsereganzen kolonialen Unternehmungen überhaupt so gut wiemißlungen wären, daß wir das Fiasko gemacht hätten,das er vorausgesagt hätte. Ja, meine Herren, so leichteiugeschüchtert ist, Gott sei Dank, der deutsche National-charakter im ganzen nicht, daß er durch einzelne Miß-griffe, Irrungen, Opfer in den einmal begonnenenKolonialbestrebungen sich abschrecken läßt. Aber es istdoch nicht nützlich, den Engländern einzureden, daß wirso leicht abzuschrecken wären, und daß wir nun ermüdetund abgeschreckt wären durch das, was wir seit vierJahren überhaupt unternommen haben. Ich halte esnicht für nützlich, das in der Oeffentlichkeit und nament-lich England gegenüber zu behaupten.
Denken Sie doch an die Geschichte der holländischenKolonien! Wie groß sind die gewesen! Welche nps anclckowvs haben die gehabt! Sie haben Ostindien gehabt,sie haben Brasilien gehabt und haben es verloren,sie haben auch heute noch eine Kolonialmacht, die vielschwerer wiegt an Einwohnerzahl und an Ausdehnungals das ganze Königreich der Niederlande. Da sehenSie, daß germanische Zähigkeit schließlich doch zumrichtigen Ziele kommt, auch wenn sie inzwischen Ceylon,Ostindien und Brasilien und die Kapstadt verloren hat;mancher ehrliche Holländer ist dabei erschossen und er-schlagen worden von den Wilden, sowie von den aus-ländischen Feinden, mit denen sie zu kämpfen hatten.
Setzen nun die Herren, die Gesinnungsgenossen desHerrn Bamberger, bei der oberdeutschen Nation wenigerZähigkeit, weniger Tapferkeit, weniger Beharrlichkeit