204 Die Reichstagssession von 1888—89.
zusteilen. Auf diese Verhältnisse ließ sich Abgeordneter Bam-berg er in längerer Rede kritisch ein. Er schilderte das südwest-afrikanische Schutzgebiet als völlig wertlos, drückte sich über dieRechte der deutschen Minengesellschaft höchst zweifelhaft aus undverlangte Aufklärung darüber, ob man die Absicht hege und imstände sei, dort mittelst Waffengewalt durchzudringen. DeutschenPatriotismus zu bewähren, habe man jetzt in Europa genug zuthun; aber für jeden beliebigen Einfall irgend eines Kolonial-unternehmers mit deutschem Geld und Blut einzustehen, das ver-biete Verstand und Gewissen. Hierauf sagte der Reichskanzler:
Ich möchte dem Herrn Abgeordneten auf seine letztenWorte erwidern: wer patriotischen Sinnes ist, der nimmtnicht gerade öffentlich gegen die Regierung seines LandesPartei in einer Frage, über die sie im Augenblick inentscheidenden Unterhandlungen mit der mitbeteiligtenausländischen Regierung steht. (Lebhaftes Bravo rechts.)Und der Herr Vorredner hat uns in den Verhandlungen,in den Verhandlungen, in denen wir augenblicklich mitEngland über Südwestafrika stehen, auf das erheblichstegeschädigt, — und wenn sie mißlingen, mache ich ihndafür verantwortlich. (Bravo! rechts.)
Der Herr Vorredner ist der Meinung gewesen, daßerst bei der ersten Uebernahme zur Zeit des Holländers,dessen Namen ich vergesse, und den er eben nannte —der erste Muter dieser Konzession (Zuruf), — Lüderitz— daß es da in dem ersten Programm unserer Kolonial-politik gelegen hätte, auf die Sache einzugehen unddie Bemühungen dieses thätigen Reichsangehörigen —er war kein Holländer von Geburt, er sprach aber vor-wiegend holländisch - zu schützen und zu decken. Nungut, wie haben sich seitdem die Dinge gestaltet? Ichwill nicht, wie Herr Woermann vorher dem Herrn Abge-ordneten Richter, so jetzt dem Abgeordneten Bam-