106 Die Reichstagssession von 1888—89.
afrikanischen Begebenheiten knüpfte und die Beschlußfassung überdiesen Etatstitel bis zur Beratung der verheißenen ostafrikanischenVorlage zu verschieben vorschlug. Hierzu bemerkte Fürst Bismarck:
Wenn in Zanzibar überhaupt für die Zukunft einGeneralkonsulat oder ein Konsulat beibehalten werdensoll — was ja eine Frage für sich ist; das Bedürfnisliegt einstweilen faktisch und dringlich vor —, dann istauch die Möglichkeit einer Vertretung unentbehrlich. Beider großen Entfernung ist die Kommunikation sehrschwierig, was namentlich in Ansehung der vielfachenGeschäfte, die sich dort kreuzen, doppelt empfindlich ist.Ein Konsul hat auch das Recht, namentlich wenn er intropischen Klimaten lebt, mitunter einige Monate aufUrlaub zu gehen; er hat auch das Recht, mitunter anden dort üblichen Fiebern zu leiden, krank zu werden,und es ist für unsere dortigen Interessen nicht nützlich,wenn in der Zwischenzeit die konsularische Thätigkeitvollständig eingestellt oder durch jemand, der ganz neuin die Sache hineinkommt und erst Monate und Wochenbraucht, sich einzuleben, ausgeübt wird.
Auf die Kolonialdiskussion, die Herr Eugen Richterhier angeregt hat, gehe ich meinerseits heute nicht ein.Wenn davon in der Kommission die Rede gewesen ist,so stand damals eine Vorlage, wie sie, ich hoffe, heuteoder morgen an den Bundesrat in Beziehung auf diekoloniale Frage abgehen wird, noch nicht in Aussicht.Diese Vorlage wird Jhuen, wenn sie nicht im Bundes-rat abgelehnt wird, zur Diskussion unterbreitet werden,und da wird ja auch Herrn Eugen Richter die Gelegen-heit nicht entgehen, sich über die koloniale Seite derFrage des Breiteren auszulassen. (Heiterkeit.)
Der Antrag Richter ward abgelehnt, der Titel bewilligt. BeimTitel Schutzgebiet Kamerun machte Abgeordneter Woer-