180 Die Reichstagssession von 1887—88.
der gewaltigen Kraft, die Gott in die deutsche Nationgelegt hat für den Fall, daß wir sie brauchen; brauchenwir sie nicht, dann werden wir sie nicht rufen; wir suchenden Fall zu vermeiden, daß wir sie brauchen.
Dieses Bestreben wird uns noch immer einiger-maßen erschwert durch drohende Zeitungsartikel vomAuslande, und ich möchte die Mahnung hauptsächlichan das Ausland richten, doch diese Drohungen zu unter-lassen. Sie führen zu nichts. Die Drohung, die wir— nicht von der Regierung — aber in der Presse er-fahren, ist eigentlich eine unglaubliche Dummheit (Heiter-keit), wenn man bedenkt, daß man eine große und stolzeMacht, wie es das Deutsche Reich ist, durch eine gewissedrohende Gestaltung der Druckerschwärze, durch Zu-sammenstellung von Worten glaubt einschüchtern zukönnen. (Bravo!) Man sollte das unterlaßen, dannwürde man es uns leichter machen, unseren beiden Nach-barn auch gefälliger entgegenzukommen. Jedes Land istauf die Dauer doch für die Fenster, die seine Presse ein-schlägt, irgend einmal verantwortlich; die Rechnung wirdan irgend einem Tage präsentiert in der Verstimmungdes anderen Landes. Wir können durch Liebe undWohlwollen leicht bestochen werden — vielleicht zu leicht—, aber durch Drohungen ganz gewiß nicht! (Bravo!)Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonstnichts in der Welt (lebhaftes Bravo); und dieGottesfurcht ist es schon, die uns den Frieden liebenund pflegen läßt. Wer ihn aber trotzdem bricht, derwird sich überzeugen, daß die kampfesfreudige Vaterlands-liebe, welche 1813 die gesamte Bevölkerung des damalsschwachen, kleinen und ausgesogenen Preußen unter dieFahnen rief, heutzutage ein Gemeingut der ganzen dent-