146
Die Neichstagssession von 1887—88.
sofort einzutreten braucht. Außerdem gibt es auch andreeuropäische Ereignisse, die in gleichen Perioden einzutretenpflegen. Beispielsweise polnische Aufstände. Früher hattenwir schon alle 18 bis 20 Jahre einen solchen zu ge-wärtigen. Vielleicht ist auch das ein Grund, warumRußland so stark sein will in Polen, um solche zu ver-hindern. Ebenso Wechsel der Regierungen in Frankreich;sie pflegen auch alle 18 bis 20 Jahre einzutreten, undniemand kann leugnen, daß ein Wechsel in der NegierungFrankreichs eine Krisis herbeiführen kann, die es jederbeteiligten Macht wünschenswert machen muß, mit vollem ,Gewicht in sie eingreifen zu können — ich meine, nurauf diplomatischem Wege, aber mit einer Diplomatie,hinter der ein schlagfertiges und nahe bereites Heer steht.
Wenn das die Absicht Rußlands ist, wie ich reinauf Grund des technisch-diplomatischen Urteils, das ichmir nach meiner Erfahrung bilde, viel eher vermute, !
als daß sie den ziemlich rüden Drohungen und Re- ^
nommagen der Zeitungen entsprechen würde, so ist füruns absolut noch kein Grund, in unsre Zukunft schwärzerzu sehen, als wie wir es seit 40 Jahren überhaupt ge-than haben. Es ist ja die wahrscheinlichste Krisis, dieeintreten kann, die orientalische. Wenn sie eintritt, so ^
sind wir bei der gerade nicht in erster Linie beteiligt. ^
Wir sind da vollkommen, und ohne irgend welcher Ver-pflichtung zu nahe zu treten, in der Lage, abzuwarten, '
daß die im Mittelländischen Meere, in der Levante, nächst-beteiligten Mächte zuerst ihre Entschließungen treffen und,wenn sie wollen, sich mit Rußland vertragen oder schlagen.
Wir sind weder zu dem einen noch zu dem andern inerster Linie in der orientalischen Frage berufen. JedeGroßmacht, die außerhalb ihrer Interessensphäre auf die