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Die Reichstagssession von 1887—88.
Frieden unserer Nachbarn durch willkürliche Angriffe zu stören.Aber in der Abwehr solcher und in der Verteidigung unserer Un-abhängigkeit sind wir stark und wollen wir mit Gottes Hilfe sostark werden, daß wir jeder Gefahr ruhig entgegensehen können."Der hohe Ernst dieser Worte kennzeichnete die gewaltsame Span-nung der europäischen Lage. Frankreich hatte im Sommer 1887durch Annahme der Boulangerschen Militärreform die allgemeinegleiche Wehrpflicht proklamiert, die Errichtung neuer Kadres be-schlossen und überhaupt in jeder Weise die Entfaltung seinerStreitkräfte gefördert. Ununterbrochen entwickelte sich in der Stilleder Vorschub russischer Truppenmassen gegen die westlichen Grenzen.Die französische Politik war zwar in sich selbst unsicherer, dadurchaber vielleicht nur um so entzündlicher geworden: General Bou-langer stand, nachdem er seinen Ministerposten verloren, in deneigenen Augen wie in denen aller Ungeduldigen erst recht als derzur Diktatur berufene Kriegsmann da; mit dem Präsidenten Grevpwar soeben ein Staatsoberhaupt von ausgesprochen konservativerHaltung gestürzt, der Ausfall der Wahl seines Nachfolgers nochgänzlich ungewiß. Auf russischer Seite hatte der Aerger über denvöllig verfehlten Ausgang der bulgarischen Umwälzung — die Wahlund Erhebung des Fürsten Ferdinand — den Haß gegen Deutsch-land auf den höchsten Grad erhitzt. Nicht die Presse allein ergingsich in wüster Hetzerei; Zar Alexander selbst ließ sich durch unter-geschobene Dokumente von der Zweizüngigkeit der deutschen Politik,der Mitschuld Bismarcks an der Niederlage der russischen Unter-nehmungen überzeugen. Von Kopenhagen nur wider Willen überBerlin heimkehrend, ward er zwar hier am 18. November durchden Reichskanzler persönlich über den ihm gespielten Betrug auf-geklärt; allein es blieb die Frage, wie lange dieser bessere Eindruckbei ihm haften, ob der hohe Herr auch nur imstande sein werde,die leidenschaftliche Verblendung rings um ihn her gebieterisch zubemeistern. Es kam hinzu, daß in Kraft des deutsch-österreichischenBündnisses vom 7. Oktober 1879 ein russischer Angriff auf dieösterreich-ungarische Monarchie, wozu bei der thatsächlichenKonkurrenz der orientalischen Interessen beider Mächte der Anlaßjederzeit ungleich näher lag, auch das Deutsche Reich gegen Ruß-land in die Waffen rufen mußte. Der Ausbruch eines deutsch-französischen Krieges verstand sich dann von selbst.