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108 Die Landtagssession von 1887.
Neichspolitiker diese letzteren Gesetze als eine dauerndeInstitution betrachtet, und wenn der Herr Vorrednernochmals in die Lage käme, im Reichstage wiederumum die Beibehaltung der Sozialistengesetze seine Meinungzu äußern, und ich stimmte der Aufhebung dieser Gesetzezu, würde er mir dann vorwersen, daß ich das Gewerbeder Penelope betriebe und das mühsam hergestellteGewebe mutwillig auflöste und verlangte, man solle mirdarin folgen? Das wäre gerade so gerecht oder un-gerecht wie der jetzige Vorwurf, daß ich ein Kampf-gesetz, nachdem der Zweck des Kampfes, nämlich derFriede annähernd erreicht ist, nicht mehr festhalten wollte.Indessen ich bin ja an Ungerechtigkeiten gewöhnt in derBehandlung von seiten des Herrn Vorredners wenigstensseit einem Vierteljahrhundert, nicht an Gerechtigkeit undWohlwollen.
Der Herr Vorredner hat mir auch wieder wie derHerr Abgeordnete Richter vorgeworfen, daß ich Politiknach nieinen Absichten triebe, und daß ich suchte, durchalle parlamentarisch erlaubten Mittel mir die Majoritätzu gewinnen. Ja, ich habe schon vorher gesagt: ver-langen Sie etwa von mir die Kinderei, daß ich gegenmeine eigene Ansicht, daß ich nach den Ansichten desHerrn Abgeordneten vr. Virchow Politik treibe, wennich überzeugt bin: sie sind fehlerhaft, nachdem ich michJahrzehnte hindurch überzeugt habe, daß seine Beurteilungund seine Vorhersagungen in der großen Politik immerunrichtig gewesen sind? (Heiterkeit und Bravo! rechts).Wie soll ich also da seiner Meinung und seinen Wünschenmeine bessere Ueberzeugung unterordnen? Da würde ichwirklich mein Seelenheil gefährden. (Heiterkeit rechts.)Ich kann die Politik nur nach meiner Ueberzeugung