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16 (1891) Die letzten Zeiten im Amt : 1887 - 1889
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Die Landtagssession von 1887.

nach gleichem Recht für ihre Kirche verhalten werde, bekämpfte derAbgeordnete Virchow das Gesetz und die Kirchenpolitik des Minister-präsidenten in ihren wechselnden Phasen überhaupt. Wer hätte sichden heutigen Ausgang der Sache damals träumen lassen, als sichFürst Bismarck „altz Christ" verpflichtet erachtet hätte, für dieMaigesetzgebung einzutreten, als er seine persönliche Ueberzeugung,sein Seelenheil sogar für gefährdet gehalten, wenn diese Dingenicht in der begonnenen Weise zu Ende gebracht würden?*) Rednertadelte die diplomatisch opportunistische Art, in welcher der Reichs-kanzler diese Frage der inneren Politik behandelt habe, wie er nundie Arbeit des Tages sozusagen bei Nacht wieder auftrenne. Ihmdarin zu folgen, verbiete die Ueberzeugung. Bismarcks große Vor-gänger, Stein und Hardenberg, hätten sich bemüht, eine andereGesinnung zu erziehen, da der Staat selbständige und unabhängigeCharaktere brauche. Wohl ein dutzendmal habe der Reichskanzlerden Papst ehedem selbst als Ausländer bezeichnet. Einen Katholi-zismus ohne Orden fände man in vielen großen katholischen Län-dern durchaus erträglich. Das ganze Gesetz sei nur für eine Kon-fession. Er selbst wolle gern Parität anerkennen; aber dann müssedas Verhältnis des Staates zu allen Religionsgessllschaften aufgleicher Basis geordnet werden. Mit diesem Stück- und Flickwerkkönne der schwere Konflikt nicht geheilt werden. Fürst Bismarckversetzte darauf:

Der Herr Abgeordnete hat eine Frage zur Sprachegebracht, von der ich bisher nicht glaubte, daß sieinteressiert, das ist mein persönliches Seelenheil. (Heiter-keit.)

Er hat angeführt, ich hätte bei irgend einer Gelegen-heit erklärt, daß dasselbe abhängig sei von der Annahmeoder Ablehnung irgend eines Gesetzes. Nun, auf eineso unsichere Basis, wie eine Majoritätsabstimmung überein Gesetz ist, möchte ich doch nicht gern mein zukünftigesSeelenheil setzen. Ich glaube, er irrt sich darin; ichwerde wahrscheinlich gesagt haben, daß ich an meiner

*) Vgl. Band VII. S- 236.