Druckschrift 
16 (1891) Die letzten Zeiten im Amt : 1887 - 1889
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

Nationaler Hochmut Richters.

81

thun; aber da, glaube ich, ist er wieder nicht der getreueMandatar seiner katholischen Vollmachtgeber; denn wennich Katholik wäre, glaube ich nicht, daß ich die Institutiondes Papsttums als eine ausländische betrachten würde;und von meinem paritätischen Standpunkt, den ich alsVertreter der Regierung innehalten muß, gebe ich daszu, daß das Papsttum eine nicht bloß ausländische, einenicht bloß weltallgemeine ist, sondern weil sie eine welt-allgemeine ist, auch eine deutsche Institution für diedeutschen Katholiken ist. Also auch da fällt Herr Richterdurch das theologische Examen. (Heiterkeit.)

Wenn dieser Ausländer unser Freund ist, so istseine Unterstützung mir jedenfalls willkommen, und ichwürde glauben, die Interessen meines Landes aus reinnationalem Hochmut, wie er dem Herrn Richter sonstdoch auch nicht eigentümlich ist (Heiterkeit), zu schädigen,wenn ich die Unterstützung eines ehrlichen und mächtigenHerrn, wie es der Papst ist, deshalb ablehnte, weil ereben in Rom wohnt.

Der Herr Abgeordnete hat sich darüber beschwert,daß durch preußische Behörden, durch Landräte, dieJacobinischen Noten ausdrücklich und amtlich mitgeteiltwurden. Er hat das als etwas Strafbares, gewisser-inaßen als ein pnclsnänin, was er hier vor der Oeffent-lichkeit bloßstellen müsse, dargestellt. Meine Herren,diese Veröffentlichungen sind von der Negierung ange-ordnet, und die Anordnung ist von mir angeregt worden,weil ich fand, daß die katholischen Wähler über denInhalt der Jacobinischen Noten in einer so schamlosenWeise belogen wurden (Unruhe), daß ich es für die Pflichtder Regierung hielt, die amtliche Aussprache des Ober-haupts der katholischen Kirche zur Kenntnis der preußischen

S95. g