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Die Lnndtngssessiou von 1887.
mit der römischen Kurie schwebten. Zunächst nun lag auf allenGemütern der Eindruck des von dem aufgelösten Reichstag in derMilitärfrage herbeigeführten Konfliktes und die Spannung auf denAusfall der schon am 14. Januar ausgeschriebenen, auf den21. Februar anberaumten Neuwahlen. Kaiser Wilhelm gab am17. Januar beim Empfange des Herrenhauspräsidiums seiner tiefenBetrübnis über das Geschehene ernsten Ausdruck; das Herren-haus bezeigte dem greisen Herrscher am 19. Januar sein Mit-gefühl durch einstimmige Annahme einer tröstlich gefaßten Adresse.Draußen im Lande bereiteten sich die Parteien auf den Kampf derWahlen vor. Konservative und Nationalliberale zeigten sich endlichvon der Notwendigkeit durchdrungen, ohne Rücksicht auf irgendwelche Meinungsverschiedenheit ein festes Kartell zu gemeinsamemVorgehen bei der Aufstellung ihrer Kandidaten zu schließen. Fürdie Gegner des Septennats kam es nun um so mehr darauf an,die öffentliche Aufmerksamkeit von der einfachen Grundfrage nachder äußeren Sicherung des Vaterlandes abzulenken, je entschiedenerder Fortschritt der französischen Rüstungen, die Barackenbauten ander reichsländischen Grenze nebst anderen geräuschvollen MaßregelnBoulangers, die obschwebende Gefahr dem Volke täglich zu Gemütsführten. Die Herren Windthorst und Richter griffen deshalb zueinem Mittel, das sie schon in der Militärdebatte des Reichstagesselber hie und da versucht*): sie bemühten sich, den Verdacht zuerwecken, oder zu nähren, als sei es der Reichsregierung, deutlichergesagt dem Fürsten Bismarck, nicht sowohl um die Wehrhaftigkeitdes Reichs, als vielmehr um allerhand andere Gelüste zu thuu,um die Durchsetzung der abgelehnten Monopolentwürfe, um Schmä-lerung des allgemeinen Stimmrechts, oder sonstige reaktionäre Hand-lungen. Zu solchem Zwecke mußte nunmehr im Abgeordneten-hause die am 21. Januar stattfindende erste Beratung des Etatsfür 1887^88 herhalten. Die klerikal-deutschfreisinnige Oppositionstellte dem Finanzminister v. Scholz die peinliche Frage, ob dieRegierung den Monopolgedanken für immer entsagt habe, undbeutete das ihm durch seine Stellung auferlegte Schweigen darübersofort in ihrem Sinne aus. Diesem Treiben beschloß Fürst Bis-marck wirksam entgegenzutreten.
Vgl. Band XV, S. 355, 375.