In sieben Jahren hoffe ich nicht mehr zu leben! 88ü
die immer nur durch Kompromiß überwunden werdenkönnen. Wir haben in unserer Friedensliebe 1874 diesenKompromiß auf sieben Jahre lang abgeschlossen und sindbereit, alle sieben Jahre lang wieder in diese qualvollenDiskussionen einzutreten, aber nicht öfter. Sie wollensich nun von dem Kompromiß lossagen und sagen: Nichtsieben Jahre, alle drei Jahre sollen wir das. Wenn Siedrei Jahre haben, werden Sie sagen: alle zwei Jahre,warum nicht alle ein Jahr — und wir werden dieUnruhe darüber dann gar nicht los. Es gibt ja Herren,die so konflikllüstern sind, daß sie in jedem Jahr dasSicherheitsventil unserer verfassungsmäßigen Zustände ansdie Probe des Springens stellen wollen, und die Probedes Springens nenne ich die Abschaffung der Armee.
Nun, meine Herren, es gibt außerdem noch einenfür mich ganz persönlichen Grund, weshalb ich für diesieben Jahre bin. Ich hoffe, in drei Jahren noch zuleben, in sieben Jahren aber nicht mehr; da hoffe ichall dieses Elendes überhoben zu sein, und ich hoffe, daßder Herr Abgeordnete Windthorst — ich wünsche ihm,daß er noch zehn Jahre lebt; aber er ist doch in den-selben Jahren wie ich, und wenn wir beide weg sind,werden Sie sich vielleicht besser vertragen. (Bewegung.)
4. Auflösung des Reichstags.
14. Januar 1887.
Nach dreitägiger Diskussion gelangte der Reichstag in der21. Sitzung am 14. Januar zur Abstimmung über die Militär-vorlage. Frhr. v. Stauffenberg zogseinen Prinzipalantrag zurück,der Antrag des Grafen Ballestrem ward abgelehnt, dagegen derEventualantrag v. Stauffen berg — auf Bewilligung der vollen