380 Die Reichstagssession uon 1886—87.
gewiß keine Beziehungen zur öffentlichen Presse, obwohlich nicht weiß, ob er nicht im Kalender als dieser Rich-tung der Thätigkeit angehörig angegeben ist. Er hatdamit jedenfalls zugegeben, daß das, was die „Germania"schreibt, ohne jedes Fundament irgend einer höher stehen-den Autorität ist, daß das nur die bedauerliche Tages-leistung der Redaktion ist, daß sie also gar keinen Kreditdafür hat, daß nicht eine auch nur so weit in der Politikeingeweihte Autorität hinter ihr steht, als es ein Abge-ordneter sein muß. Ich weiß nicht, ob es der „Ger-mania" ganz lieb sein wird, wenn das öffentlich bekanntwird, daß sie ganz auf eigenen Füßen steht und vomAbgeordneten Windthorst zurückgewiesen wird in ihresNichts durchbohrendes Gefühl. (Heiterkeit.)
Der Herr Abgeordnete hat außerdem gesagt, daßes mit mir ganz anders sei: ich stände — ich weiß nicht,mit wie vielen Zeitungen in einer solchen Verbindung,daß ich nicht nur schreiben lasse, sondern selbst darinschriebe; er hat meinen Stil darin wiedererkannt. Esist mir sehr schmeichelhaft, wenn man das findet. DieZeitungen schreiben einen sehr viel besseren Stil als ich.So viel ich mir auch Mühe gebe, so kann ich denSchwung der Phrase, die überhaupt nicht meine Formist, nicht herausbringen, wie ich sie so oft in diesen Zei-tungen mit Vergnügen lese. Es'wäre mir also schmeichel-haft, wenn man mich darin erkennte. Er irrt sich aber,wenn er glaubt, ich hätte die Zeit dazu. Bedenken Siedoch, meine Herren, welche Geschäftslast auf mir ruht,und für einen ganz gewissenlosen Arbeiter im Dienstwerden mich selbst meine Gegner nicht halten. DieseGegner dagegen haben ja gar nichts auf der Welt zuthun, als mir das Leben sauer zu machen in der Presse