376 Die Reichstagssession von 1886—87.
abgelaufen ist, etwa den gesetzlichen Präsenzstand über-schreiten zu wollen. Es ist ja möglich, daß — nament-lich wenn die Auslösung eintritt — ein Zeitraum ver-läuft, in dem wir den Reichstag nicht gegenwärtig haben;es ist auch möglich, daß wir dauernd vom Reichstagedie Mittel nicht erhalten können, die zum Schutz unsererGrenzen vorsichtshalber uns notwendig scheinen. Dann,glaube ich, wird dem Kaiser als König von Preußenimmer noch die Möglichkeit offen stehen, sich vertrauens-voll an seinen preußischen Landtag zu wenden und zusehen, ob er von dem die Mittel zum Schutze des ge-meinsamen Vaterlandes nicht erlangen kann (Bravo!rechts. Bewegung); ich bin überzeugt: dort werden wirnicht so lange zu bitten und zu unterhandeln brauchen.
Der Herr Abgeordnete hat in dürren Worten an-gedeutet, daß die Regierung, wenn sie die drei Jahreablehne, doch noch Hintergedanken haben müsse, die sienicht ausspricht. Diese Beschuldigung gebe ich vollständigzurück: wenn Sie die sieben Jahre ablehnen, so müssenSie durchaus Hintergedanken haben; Sie können sieebenso gut annehmen. Sie rücken damit jede Konflikts-möglichkeit wieder etwas weiter hinaus. Wenn ich IhreHintergedanken ebenso erläutern soll, wie der Herr Vor-redner unsere angeblichen Hintergedanken erläutert hat,so bezeichne ich sie als eine Intention, die von der Ver-fassung gezogenen Grenzen zwischen der parlamentarischenund der Regierungsgewalt verrücken zu wollen, verschiebenzu wollen in dem Urteil und in der Auffassung deröffentlichen Meinung des Reichs und in der Praxis,lind darauf, wiederhole ich, werden wir uns nicht ein-laffen. Die Machtverteiluug so, wie sie durch die Ver-fassung gegeben ist, werden wir festhalten, die werden