Windthorsts geheime Nachrichten. 321
kein Bündnis zu rechnen, wenn wir mit Frankreichkämpfen. Das ist also eine irrtümliche Nachricht, zuderen zeitiger Widerrufung ich durchaus genötigt bin.
Der Herr Abgeordnete hat ferner gesagt, das Ver-hältnis zu Frankreich sei 1881 schon dasselbe gewesen.Nun, meine Herren, das will ich politisch nicht bestreiten
— wir haben immer friedliche Ministerien gehabt —,aber militärisch ist die Sache doch ganz anders. Diefranzösische Armee war 1881 nicht so schlagfertig undnicht so stark wie heute; sie war es noch weniger 1874-Wir sind auch nicht die Leute, die gleich auf den erstenEindruck, daß die Franzosen ein paar Bataillone mehrentziehen, nun an den Reichstag gehen und sagen: derbedroht uns, wir verlangen mehr, — sondern wir wartenunsere Zeit ab. Wir haben in den letzten 16 Jahren
— 1875 entstand ein ganz falscher Kriegslürm, das Er-gebnis einer künstlich aufgebauschten Jntrigue — nie dieAbsicht gehabt, Frankreich anzugreifen, in den ganzenl6 Jahren auch nicht einen Augenblick; es ist eine elendeLüge gewesen, bei der fremde Intriganten thätig waren,daß wir jemals die Absicht gehabt hätten. Aber diefranzösische Armee ist doch seit der Zeit eine ganz anderegeworden. Das ist wieder eine Frage, in der es daraufankommt, zu entscheiden, ob in dem Urteil über dieLeistungsfähigkeit der französischen Armee der Graf Moltkeoder Herr Windthorst der kompetentere sei, und eine Wider-legung des Einleitungssatzes des Abgeordneten Windt-horst, daß er sich mit den: Grafen Moltke nicht in Parallelestellen wolle.
Herr Windthorst hat an einer anderen Stelle ge-sagt und wiederholt, er glaube, daß wir Frankreich nichtnur gewachsen, sondern auch überlegen seien. Ich wieder-
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