314 Die Reich stagssession von 1886—87.
der militärischen Autoritäten darin aufmerksam gemachtund den Wähler klar vor die Frage gestellt hätten: wolltihr, daß Deutschland stärker geschützt werde, als es bis-her gewesen ist, oder wollt ihr es nicht? Das ist nichtgeschehen. Es wird aber unzweifelhaft geschehen müssen,wenn Sie uns nicht in den Stand setzen, diesen Schutzzu verwirklichen. (Bravo! rechts.)
Abgeordneter Windthor st hielt eine weitere gründliche Dis-kussion deshalb für nötig, „damit das Volk weiß, worum es sichhandelt". Er habe sich niemals ein eigenes Urteil gegenüber mili-tärischen Autoritäten angemaßt. In Anerkennung dieser Autori-täten bewillige er trotz der wirtschaftlichen Notlage jeden Mannund jeden Groschen; nicht um der übrigen Ausführungen willen,namentlich der politischen, „die wir heut endlich zu hören bekom-men haben". Denn diesen zufolge könnten wir uns über die Stärkeder russischen Armee ja nur freuen: „sie ist ja unser fester Ver-bündeter und wird unter allen Umständen uns eins starke Rücken-deckung geben". Unser Verhältnis zu Frankreich aber sei seit 1871stets dasselbe geblieben, die Bewilligung von 1880 genüge deshalbFrankreich gegenüber eigentlich auch jetzt noch. Daß wir im Orientabsolut keine Interessen haben sollten, sei eine ganz neue Doktrin;diese Interessen fielen ja mit denen Oesterreichs ganz und voll zu-sammen. Eine Auflösung des Reichstags bloß um des Septennateswillen bedauert der Redner; die Regierungen wollten nicht ein-sehen, daß wirklich feindlichen Gelüsten des Auslandes gegenüberalle Parteien jederzeit einmütig sein würden. Soll es im Reichs-tage nur Männer geben, die unbedingt thun, was der Reichskanzlerwill, wozu dann die ganze kostspielige Maschinerie? Was die Wieder-herstellung Hannovers betreffe, so wünsche sie niemand mit Hilfedes Auslands — hier rief der Reichskanzler dazwischen: KönigGeorg V. wünschte es! — sondern man erhoffe sie allein vondem Gange der göttlichen Gerechtigkeit. Hierauf versetzte FürstBismarck:
Die Rede des Herrn Vorredners war in der Haupt-sache eine Widerlegung der Behauptung, mit der er sie