306 Die Reichstagssession von >886-87.
(Bravo! rechts. Aha! links.) — Ja, meine Herren,„aha!" haben Sie denn daran gezweifelt — das wäreja vollkommen wunderlich — (Heiterkeit), daß wir andie Wähler appellieren werden, um zu erfahren, ob eswirklich der Wille der Wähler ist, daß die Verteidigungs-fähigkeit Deutschlands von der jedesmaligen Abstimmungdes Parlaments in jedem Jahr abhängt, daß die Hälfteder Armee entlassen werden kann, daß die Armee redu-ziert werden kann auf den einjährigen Dienst, auf das,was die Sozialdemokraten noch bewilligen? Es ist jaauch eine sozialdemokratische Majorität in diesem Hausemöglich. — Es kann unmöglich der Wille der deutschenNation sein, daß sie auf diese Weise in ihrer Wehrhaftig-keit, in der Sicherheit im eigenen Heere abhängig seinsoll von den jedes Jahr wechselnden Majoritäten desParlaments. Es liegt das ganz außerhalb der Ver-fassung, und die verbündeten Regierungen wünschen zueinem neuen Kompromiß zu gelangen, aber zu einemsiebenjährigen, zu keinem kürzeren. Wir wollen die Krisenund die Gefahr der Konflikte nicht häufen, und wirwollen den Gedanken nicht anfkommen lassen, als wärenSie überhaupt berechtigt, einseitig ohne die Mitwirkungdes Bundesrats und des Kaisers über den Bestand desdeutschen Heeres zu verfügen. Gegen diesen Gedankenallein würden wir schon an die Wähler appellieren, obdies der Wille des Volkes ist; und die verbündeten Regie-rungen sind ihrerseits entschlossen, mit dem ganzen Ge-wicht ihres Einflusses im Reiche und im Volke für dieAufrechterhaltung der Wehrhaftigkeit Deutschlands unddes Heeres einzutreten. (Bravo!) Von Sr. Majestätdem Kaiser werden Sie doch unmöglich erwarten, daßer in seinem neunzigsten Lebensjahre nun das Werk