286 Die Reichstagssession oon 1886—87.
Wir haben unsererseits alles gethan, um die Fran-zosen zum Vergessen des Geschehenen zu bewegen. Frank-reich hat unsere Unterstützung und unsere Förderung injedem seiner Wünsche gehabt, nur nicht in demjenigen,der sich auf eine mehr oder weniger lange Strecke vonRheingrenze richten konnte; weder im Elsaß noch weiterunten können wir das zugeben. Aber wir haben unsredlich bemüht, im übrigen Frankreich gefällig zu seinund dasselbe zufrieden zu stellen, wie wir können. Wirhaben unsererseits ja nicht nur keinen Grund, Frankreichanzugreifen, sondern auch ganz sicher nicht die Absicht.Der Gedanke, einen Krieg zu führen, weil er vielleichtspäterhin unvermeidlich ist und späterhin unter ungün-stigeren Verhältnissen geführt werden könnte, hat mirimmer fern gelegen, und ich habe ihn immer bekämpft.(Bravo!) Ich bin dagegen gewesen im Jahre 1867,die Luxemburger Frage aufzunehmen, um den Krieg mitFrankreich zu führen. Luxemburg war gewiß des Kriegesmit Frankreich nicht wert, und namentlich nicht unserzweifelhaftes Garnisonrecht, nachdem der Bund erloschenwar. Es konnte damals nur auf die Frage ankommen,ob wir den Krieg nicht späterhin doch führen müßten,und da sagte ich: das ist vielleicht möglich, ich kanndas aber so genau nicht wissen, ich kann der göttlichenVorsehung nicht so in die Karten sehen, daß ich dasvorher wüßte. (Bravo!) Mein Rat wird nie dahingehen, einen Krieg zu führen deshalb, weil er spätervielleicht doch geführt werden muß. Er kann vielleichtnach Gottes Willen, wenn er später geführt wird, unterfür uns günstigeren Verhältnissen geführt werden, wiedas mit Frankreich der Fall gewesen ist. Wir haben1870 mit günstigerem Erfolge geschlagen, als wir 1867