Verhältnis zu Frankreich.
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Die Frage, wie wir mit Frankreich in der Zukunftstehen werden, ist für mich eine minder sichere. Ichhabe nicht das Bedürfnis, alle europäischen Mächte durch-zugehen ; ich spreche von Italien und England gar nicht,weil gar kein Grund vorliegt, daß wir für beide Ne-gierungen und sie für uns gegenseitig nicht das größteWohlwollen haben sollten. Unsere Beziehungen zu denbeiden sind derart, daß ich sie hier nicht mit in Betrachtziehe bei der Vermehrung unserer Streitkräfte, — siesind in jeder Hinsicht freundschaftlich. Zwischen uns undFrankreich ist das Friedenswerk deshalb schwer, weil daeben ein langwieriger historischer Prozeß in der Mitte zwi-schen beiden Ländern liegt: das ist die Ziehung der Grenze,die ja zweifelhaft und streitig geworden ist von dem Zeit-punkt an, wo Frankreich seine volle innere Einigkeit undkönigliche Macht, ein abgeschlossenes Königtum, erreicht hat.
Das Jnfragestellen der deutschen Grenze hat an-gefangen, wenn wir es rein im historischen, pragmatischenZusammenhang ausfassen wollen, mit der Wegnahme derdrei Bistümer Metz, Toul und Verdun. Das ist einevergessene Thatsache, und ich erwähne sie nur des histo-rischen Zusammenhanges wegen. Wir beabsichtigen wederToul noch Verdun wieder zu erobern, und Metz besitzenwir ja. Aber seitdem hat doch kaum eine Generationin Deutschland gelebt, die nicht genötigt gewesen ist, denDegen gegen Frankreich zu ziehen. Und ist diese Epochedes Grenzkampfes mit der französischen Nation nun heutedefinitiv abgeschlossen, oder ist sie es nicht? Das könnenSie so wenig wissen wie ich. Ich kann nur meine Ver-mutung dahin aussprechen, daß sie nicht abgeschlossenist; es müßten sich der ganze französische Charakter unddie ganzen Grenzverhältnisse ändern.