284 Die Neichstagssession von 1886 — 87 .
mit jedem von ihnen ist. Es ist unsere Aufgabe, dieseSchwierigkeit nach Möglichkeit zu ebnen, in beiden Ka-binetten der Anwalt des Friedens zu sein gegenüberden Erregungen publizistischer oder parlamentarischerNatur. Ich brauche diese Erregungen nicht näher zubezeichnen; die Presse beider Länder und der Parla-mentarismus des einen davon bilden die Gegenströmungenund Schwierigkeiten, mit denen wir bei unseren Be-mühungen, sie zu überwinden, und den Advokaten desFriedens in beiden Kabinetten zu machen, rechnen müssen.Wir laufen dabei Gefahr, daß wir in Oesterreich undnoch mehr in Ungarn als russisch bezeichnet und in Ruß-land für österreichisch gehalten werden. Das müssenwir uns gefallen lassen; wenn es uns gelingt, den eigenenFrieden und den Europas zu erhalten, so wollen wiruns das auch gern gefallen lassen.
Nicht minder aufrichtig und angestrengt sind unsereBemühungen gewesen, nach dem französischen Kriege dieVersöhnung mit Frankreich herbeizuführen; ob sie ganz soglücklich gewesen sind wie im Osten, das weiß ich nicht.Wenn wir mit den Verhältnissen im Osten allein zu rechnenhätten, so würden dieselben uns nicht zu einer Vorlagedieser Art bestimmt haben. Bezüglich Frankreichs liegtes aber anders; ich kann ja nur nach meinem politischenUrteile sprechen, aber ich kann für mich geltend machen,daß ich seit — ich glaube — jetzt 36 Jahren in dergroßen europäischen Politik thätig bin, und daß ich michauf manche Epochen und Vorgänge berufen kann, indenen mein politisches Urteil das richtige gewesen ist undnamentlich richtiger als das der parlamentarischenOpposition, die ich mir gegenüber fand. (Sehr richtig!rechts.)