282 Die Neichstagssession von 1886—87.
mania" predigt nicht so geradezu den Krieg, aber sie istihrer Natur nach viel schärfer und bitterer in den Be-schimpfungen der Regierung über ihre Feigheit.
Nun, meine Herren, als ich das gelesen habe, ichmuß sagen, hat es mir zunächst den Eindruck von Heiter-keit gemacht; ich habe diese ganze Preßhetzerei lächerlichgefunden, die Zumutung, daß wir nach Bulgarien laufensollten, um „hinten weit in der Türkei", wie man früherzu sagen pflegte, die Händel zu suchen, die wir hiernicht finden können. Ich hätte geradezu verdient, wegenLandesverrats vor Gericht gestellt zu werden, wenn ichauch nur einen Augenblick auf den Gedanken hätte kom-men können, mich auf diese Dummheit einzulassen (großeHeiterkeit), und es hat mich damals auch wenig ver-drossen; wir waren ja die Herren, zu thun und zu lassen,was wir wollten. Es hat mich nur tief betrübt, einensolchen Aufwand von Pathos in der deutschen Presse zufinden, um uns womöglich mit Rußland in Krieg zuverwickeln. Als ich diese Deklamationen zuerst las —sie sind zum Teil weinerlich, zum Teil pathetisch —, sosiel nur unwillkürlich die Szene aus „Hamlet" ein, woder Schauspieler deklamiert und Thränen vergießt überdas Schicksal von Hekuba — wirkliche Thränen, — undHamlet sagt — ich weiß nicht, wendet er den Ausdruckan, der durch Herrn Virchow das parlamentarischeBürgerrecht gewonnen hat, den Ausdruck von „Schuft"—: „Was bin ich für ein Schuft?" oder benutzt er einanderes Beiwort? — kurz und gut, er sagt: „Was istihm Hekuba?" — Das fiel mir damals sofort ein. Wassollen diese Deklamationen heißen? Was ist uns dennBulgarien? Es ist uns vollständig gleichgiltig, wer inBulgarien regiert, und was aus Bulgarien überhaupt