Druckschrift 
15 (1891) Polenfrage, Kirchenfriede, Septennat
Entstehung
Seite
278
Einzelbild herunterladen
 

278 Die Neichstagssession von 1886—87.

streitig gewesen sind, in gegenseitigem Vertrauen undgegenseitigem Wohlwollen auseinandergesetzt haben.

Es war die Aussöhnung mit Oesterreich aber nichtallein das Ziel, welches unsere Friedenspolitik erstrebthat. Wir haben uns erinnert, daß die Freundschaft derdrei großen östlichen Mächte in Europa, wenn sie auchmanche verdrießliche Folgen für die öffentliche Meinungund andere Staaten gehabt haben mag, doch Europaüber 30 Jahre lang den Frieden bewahrt hat, den Friedenin einer Epoche, in der die Quellen entstanden sind, dieden Wohlstand, den wirtschaftlichen Aufschwung, die ge-samte wissenschaftliche, technische und wirtschaftliche Ent-wickelung Europas befruchtet und befördert haben. DieQuellen davon liegen in dem Zeitraum, in welchem dieübelberufene heilige Allianz uns den Frieden erhaltenhat. Es wird das jedermann unwiderleglich einleuchten,der einen Vergleich zieht zwischen unserer heutigen wirt-schaftlichen Situation von 1886 und zwischen dem Maßevon Wohlhabenheit und zivilisatorischer Entwickelung, dasin ganz Europa, namentlich aber in Deutschland, imJahre 1816 herrschte. Der Unterschied ist ein so un-geheurer, wie er kaum je in früheren Jahrhunderten ineiner gleichen Epoche stattgefunden hat; der Fortschrittzum Günstigen, zur Wohlhabenheit der Gesamtheit istein gewaltiger gewesen.

Nun, ich weiß nicht, ob es uns gelingen wird,wiederum eine Friedensepoche von derselben Länge, d. h.von mehr als 30 Jahren, herzustellen. Unsere Bemühungendazu sind aufrichtig; vor allem aber brauchen wir dazuein starkes Heer, ein Heer, das stark genug ist, um unsereeigene Unabhängigkeit ohne jeden Bundesgenossen sicherzu stellen. (Sehr richtig!) In Anbetracht dieser Wirkung