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Jeder Friedensschluß ein inoäus vivuinii. 255
solcher ganz bestimmt verwerten und übersehen läßt.Täuschen wir uns darüber nicht, meine Herren, es bleibtjeder Friedensschluß ein inoclns vivsncli, das heißt einVersuch, miteinander in Friedeil zu leben. Geht manin diesen Versuch mit gutem Willen hinein, so wird dasfriedliche Einleben mit jedem Tage leichter werden; gehtinan mit Zorn und Erinnerungeil an vergangene Kämpfehinein, dann werden diese sehr bald wieder ausleben.Die Aufgabe der Regierung ist deshalb nicht, Ihneneine bestimmte Formel vorzuschlagen, welche das Geheim-nis der Grenzlinie zwischen Staat und Kirche in ihremtausendjährigen Kampfe nun enthielte, sondern die Auf-gabe ist, nach Möglichkeit die Stimmung der Gemüterloszulösen von dem Kampfe der Vergangenheit und dasVertrauen allerseits wieder zu erwecken, von dem meinerUeberzeugung nach Se. Heiligkeit der Papst durch diejüngste Zusage der Leistung der Anzeigepsticht eine eklatanteProbe gegeben hat.
Ich möchte den Herrn Vorredner bitten, doch dieseeinmalige faktische Anzeige nicht zu unterschätzen; sieliefert den klaren Beweis, daß die Kurie der Meinungist, daß sie ohne Schädigung der Kirche die Anzeigepflichtüberhaupt leisten kann, und was sie einmal leisten kann,wird sie auch ohne Schädigung der Kirche immer unddauernd leisten können. Der Beweis ist hiermit geliefert,denn die römische Kirche hat nicht die Gewohnheit, einzelneAusnahmen von den Regeln, die sie für unumstößlichhält, nach Belieben zu machen, und am anderen Tagewieder eine andere Theorie aufzustellen. Ich möchte alsodoch empfehlen, diesen Schritt nicht zu unterschätzen,sondern auch unsererseits zu thun, was wir können, umdas Mißtrauen und den Kampfeszorn aus unseren eigenen