Keine Notlage.
243
diese Auffassung eine irrtümliche ist, wenn er auf dieparlamentarische Seite des gegenwärtigen Streits imVergleich gegen frühere Zeiten zurückblickt. Wie langeist es her, daß wir in Preußen nicht eine Situationgehabt haben, so günstig wie die heutige im Abgeordneten-hause! Die konservative Partei in sich einig, in einerj fruchtbaren Fühlring mit der nationalliberalen Partei,kurz, die drei nationalen Parteien in einer großen Ma-i jorität und demgegenüber das Bündnis von Zentrum
; und Fortschritt in einer Minorität. Diesen Zustand
> hat sich der Herr Vorredner nicht vergegenwärtigt. Ich^ kann im Augenblick nicht nachrechnen, wie lange es herist, daß eine so günstige parlamentarische Lage in Preußenvorhanden war. Wenn irgend etwas durch den Kultur-kampf Schaden gelitten hat, so ist es das Deutsche Reichund das Ansehen und die Wirkung des Reichstags. Dasliegt aber auch nicht wesentlich am Kulturkampf, sonderndas liegt an den Bundesgenossen, die das Zentrum im! Reich gefunden hat. Nehmen Sie an, daß im Reichs-tag das Zentrum dastände ohne die Fortschrittspartei!Die Siege, die das Zentrum glaubt erfochten zu haben,sind mit Siege der Fortschrittspartei. Ohne diesenBundesgenossen befände sich das Zentrum im Reichstage! iu derselben Minorität wie im preußischen Abgeordneten-! Hause, ungeachtet der bedenklichen Bundesgenossen, die^ es außerdem zur Seite hat, in Gestalt der Sozialdemo-kraten, der elsaß-lothringer Franzosenfreunde und derPolen. Ungeachtet dieser bedauerlichen Verbindung würdees ohne die Fortschrittspartei die Majorität nicht haben.Also, was uns diese Unbequemlichkeiten im Reich ver-! ursacht, lege ich nicht sowohl dem Zentrum zur Last, als
^ der Fortschrittspartei, soweit sie im Zentrum vertreten