100 Die Lnndtngssession von 1886.
etwas gelernt seitdem; die politische Bildung ist heuteeine andere.
Also es war für uns eine sehr bedenkliche, vollkommenisolierte Lage, in der wir uns bei der damaligen polni-schen Debatte in diesen Räumen befanden. Beim Beginnder polnischen Insurrektion fand ich in Paris noch eineso ziemlich wohlwollende Beurteilung; man mar dortmehr antirussisch, als antipreußisch. Aber, nachdem dieVerhandlungen im Abgeordnetenhause stattgefunden hatten,die gewissermaßen ein Appell des Hauses an das Aus-land waren in dem Sinne, wie das englische Sprich-wort sagt: blit lrim, lis lias NO krionck (haut ihn, erhat keinen Freund), — in der Art wurden wir denun-ziert in Paris, — da wechselte die Auffassung desKaisers Napoleon und er fing an, auf uns zu drücken ineiner unfreundlichen Weise. Und daß wir nicht infolgedieser Verhandlungen in diesen preußisch-deutschen Räu-men nachher unter die Schraube einer diplomatischenPression genommen worden sind, bei der England, Frank-reich und Oesterreich vereinigt waren, und die nur ent-weder mit einem schmählichen Rückzug oder mit der Auf-gabe eines Krieges, zu dem Rußland 1863 geneigt war,als Verbündete Rußlands endigen konnten, das dankenwir nur den deutschfreundlichen Regungen, die schließlichder alte Lord Rüssel in England noch hatte. Englandlehnte es ab, sich den Absichten Frankreichs anzuschließen.In der Gefahr befanden wir uns, isoliert, und Preußenwar damals nicht so stark wie jetzt, wir hatten den deut-schen Bund nicht hinter uns. Ich stand genau an dieserselben Stelle und wurde in diesen Räumen von der fasteinstimmigen Versammlung mit einer Flut voll Hohnund Haß überschüttet, wo ich dachte: nun, da ist der