146
Die Lcmdtagssessiou von 1886.
thuung auszusprechen, daß in der allerhöchsten Thronrede positiveMaßregeln zur Sicherung des Bestandes und der Entwicklung derdeutschen Bevölkerung und deutschen Kultur in diesen Provinzen inAussicht gestellt sind, 2) die Bereitwilligkeit zu erklären, zur Durch-führung dahingehender Maßregeln, insbesondere auf dem Gebietedes Schulwesens und der allgemeinen Verwaltung, sowie zur För-derung der Niederlassung deutscher Landwirte und Bauern in diesenProvinzen die erforderlichen Mittel zu gewähren." Zentrum undPolen verlangten, das Haus solle über diesen Antrag zur Tages-ordnung übergehen. Die Beratung begann in der achten Sitzungam 28. Januar 1886. Nach dem Abgeordneten v. Rauchhaupt,welcher den Antrag Achenbach begründete, erhob sich Fürst Bis-marck und hielt folgende, großartig angelegte und durchgeführteRede:
Der Passus der Thronrede, an welche der unsheute beschäftigende Antrag anknüpft, enthält den Aus-druck der Ueberzeugung der Königlichen Regierung, daßin den Grundsätzen, nach welchen seit dem Jahre 1840in den Landesteilen, deren Bevölkerung polnisch spricht,regiert und verwaltet worden ist, eine Aenderuug absolutnotwendig sei. Wir haben durch die Geschichte die Erb-schaft überkommen — Sie werden verzeihen, wenn ichbei einer Frage, die ihre Wurzeln in der Vergangenheithat, auch einen Rückblick auf die Vergangenheit thue —mir haben die Erbschaft überkommen, uns mit 2 Mil-lionen polnisch sprechender Unterthanen, so gut wirkönnen, auf denselben Gebieten, welche die Grenzen despreußischen Staates umschließen, einzuleben. Wir habendiese Situation nicht gemacht; unsere Politik kann vonsich dasselbe sagen, was, ich weiß nicht mehr, auf welcherForstakademie geschrieben steht: wir ernten, was wirnicht gesäet haben, wir säen, was wir nicht erntenwerden.
So stehen wir auch zu der Vergangenheit, die vor