I 28 Die Reichstagssession von 1.885—86.
Kanossa führe. Ja, meine Herren, ein demütigenderesKanossa als das, dem ich hier an dieser Stelle schon inder Steuerfrage im Reichstage ausgesetzt bin, gibt es fürmeinen Herrn, den König von Preußen, nicht: sein ersterMinister muß seit 16 Jahren hier bettelnd an der Thürestehen und wird mit Steinen statt Brot und mit höhni-schen Phrasen abgemiesen. (Oho! links. Bravo! rechts.)— Meine Herren, darüber lachen Sie: ich sage wieder:wer zuletzt lacht, lacht am besten. Sie führen uns ineine Situation, wo Sie gar nicht mehr hier sein werden,und dann mögen Sie wo anders lachen. Aber hier wer-den Sie ans die Dauer über den König von Preußennicht lachen können; das sage ich Ihnen gleich.
Das einzige Sachliche, was der Herr AbgeordneteRichter an mir kritisiert hat, das war die von mir aus-gegangene Bemängelung einzelner Ziffern. Ja, wenn erweiter nichts gegen die Vorlage einwenden kann, als daßdie Berichte der Behörden in Königsberg, in Posen, inStettin über die Branntweinpreise in der Provinz un-genau gewesen sind, dann sollte er doch lieber erkennen,wie schwer es für die Zentralinstanz ist, sich die nötigenMitteilungen richtig zu verschaffen, statt der Vorlage denVorwurf zu machen, als ob sie leichtfertig gearbeitet wäre.
Ich muß schließlich doch noch zu der persönlichenBemerkung des Herrn Abgeordneten Richter kommen inBezug auf den Vorwurf, den ich ihm gemacht habe, daßer mir nämlich Dinge imputiert, wofür er, wenn er esanderswo thäte, strafbar sein würde. Er hat die Sachevollständig richtig verlesen; er hat wohl nur darauf ge-rechnet, daß in der verzwickten Satzbildnng, die er ver-lesen hat, die Zuhörer es so genau nicht verstehen würden.Er hat aber ganz genau bestätigt, was ich gesagt habe,