Druckschrift 
15 (1891) Polenfrage, Kirchenfriede, Septennat
Entstehung
Seite
126
Einzelbild herunterladen
 

126 Die Reichstagssession von 1888 88.

mann und würde mich für gekränkt halten, wenn manmich einen Redner nennte.

Der Herr Abgeordnete hat immer hervorgehobendas, „was ich will". Auf das, was ich will, kommtes hier gar nicht an, sondern es kommt darauf an, wasrechtens und was vernünftig ist, und darüber können wirja verschiedener Meinung sein. Wenn Herr Richter an-derer Meinung ist, so wird er es ablehnen, und andererMeinung als ich ist er jedesmal; ich brauche nur meineMeinung zu äußern, um die seinige festzulegen für dasGegenteil.

Wie leicht die Argumente des Herrn Richter waren,ist mir namentlich an der Stelle aufgefallen, die ungefährdahin zu präzisieren ist: Preußen leidet Not, — das magja sein; aber Preußen soll nichts haben, weil Sachsennichts braucht; wenn also die Sachsen ihrerseits zufriedensind, so sollen uns die Preußen nicht kommen; jeder sollsehen, wie er zu dem gelangt, was er braucht. — Ja,dann müßten nicht die Einzelstaaten und namentlichPreußen die Hauptsteuerquellen, die flüssigsten und dieeinträglichsten, an dieses Reich, an diese Majorität, diezum großen Teil von dem Herrn Abgeordneten Richter-abhängig ist, abgetreten haben. Wenn der Herr Abgeord-nete gegen die Regierung auftreten will, so hat er jaeinen großen Vorsprung. Anträge gegen die Regierungfinden im Reichstag immer sehr viel leichter eine Majori-tät als Anträge für die Negierung, weil letztere in derNotwendigkeit ist, 60 oder 80 Stimmen vorzugeben. Daßdie Abgeordneten, die polnische, die französische Interessenverfolgen, daß Sozialdemokraten, daß die Welfen unter-allen Umständen gegen die Regierung stimmen, das istja gegeben. Also jemand, der seinerseits auch nur einen