108 Die Neichstngssessivll vvn 1888—86.
nicht Kostgänger beim Reich sein. Ja, mein Gott, siesind doch bei dem viel bescheideneren Zollverein Kost-gänger gewesen, und sind auch Kostgänger des Reichesdurch die lox Huene, und es ist ja doch dieselbe Nation,die davon lebt. Es ist ja eine ganz willkürliche Methode,die Formen, unter denen das Reich sich darstellt, zupersonifizieren als Individuen, die verschiedene Interessenvon einander hätten. Ob das, was die deutsche Nationzur Betätigung ihres politischen Lebens gebraucht, inder Form von Kommunal-, von Einzelstaats- oder vonNcichsabgaben auskommt, ist vollkommen gleichgiltig; esfragt sich bloß, wo es am bequemsten zu tragen ist.Und am bequemsten ist es in den indirekten Ausgabenzu tragen, über die die Negierungen ihrer Zeit vertrauens-voll den Schlüssel dem Reichstag anvertraut haben.
Es fragt sich nun: hat der Reichstag diesem Ver-trauen, mit dem die Regierungen vor 15 und 20 Jahrenihm die wichtigsten Einnahmequellen ihrer Staaten über-antwortet haben, entsprochen? Ich will darüber keinUrteil fällen. Aus dem, was ich vorher sagte, ergibt essich von selbst. Ich bin wenigstens überzeugt, daß die-jenigen, die unter der Fortdauer der gegenwärtigen Zu-stände leiden, diejenigen, die ausgepfändet werden, dieungerechte Steuern zahlen müssen, die Gemeinden, dieunerträgliche Lasten tragen müssen, die Beamten, dieverkommen, der Meinung sein werden, daß dasVerhalten des Reichstags dem Vertrauen, in welchemihm die Schlüssel der Hauptrevenüen anvertraut sind,nicht entsprochen hat. Es ist dringend zu wünschen, daßnicht auch mächtigere Individualitäten, wie den Königvon Preußen, dasselbe Gefühl überkomme, daß die Opfer,die er seinerseits gebracht hat, indem er seine Jmmuni-
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