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15 (1891) Polenfrage, Kirchenfriede, Septennat
Entstehung
Seite
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108 Die Reichstagssession von 1885—88.

Es ist uns aus der englischen parlamentarischenTradition die hier bereitwillig angenommene Regel über-kommen, daß man bei jedem Abgeordneten keine anderenGründe seiner Abstimmung voraussetzen darf als die-jenigen, die er selbst dafür angibt, und — um es kurzzu sagen — daß die Abgeordneten untereinander unddie Negierung ihnen gegenüber verpflichtet ist, alle Weltfür tugendhaft und vaterlandsliebend zu halten. Dasist eine ganz natürliche englische Tradition; die französischeund italienische entspricht ihr nicht. Ich will gleich sagen,warum. In England haben die parlamentarischen Tra-ditionen sich gebildet zu Gunsten einer Aristokratie, diein den beiden Parteien, Whigs und Tories, immer nocheine kleine regierende Minorität im Lande bildet. Diehatten das dringendste Bedürfnis, gegenüber der emitri-bn6n8 plolis ihr Ansehen nicht herabzusetzen und warenstillschweigend darüber übereingekommen: unter uns, undeiner dem anderen gegenüber, sind wir verpflichtet, unsfür anständige Leute zu halten und öffentlich zu erklären,— für vaterlandsliebende Leute, will ich lieber sagen.Man wird deshalb in England nie gefunden haben, daßeiner dem anderen Mangel an Patriotismus vorwirft,weil es eben eine Minorität war, die regierte, und diedas Bedürfnis hatte, auch das Ansehen des Gegnersnicht zu sehr herabzusetzen, weil sie doch beide abwechselndregieren.

Ob sich das in England nun weiter in den breiterenFormen der Vertretung halten wird, das wollen wir ab-warten. Sicher ist, daß in Frankreich, wo die Gleich-heit unbestritten ist, schon kein Mensch sich geniert, demanderen ins Gesicht zu sagen, was er von ihm hält, unddaß man in Frankreich auch gar nicht diese Art von