104 Die Reichstagssession von 1885—80.
Man hat mir oft den Vorwurf gemacht, daß ich nichtsthäte, um das Reich so zu befestigen, daß, wenn ich inmeinem Amt einen Nachfolger haben muß, es auch un-abhängig von dessen Persönlichkeit auf eigenen Füßenstehen könnte. Meine Herren, der Vorwurf ist sehr un-gerecht; ich arbeite Tag und Nacht daran, und es istdie einzige Sorge, die ich auf dieser Welt noch habe.Aber auf dem Wege, auf dem die Herren, die mir dasvorwerfen, es zu erreichen suchen, nämlich mit verant-wortlichen Reichsministerien, mit Schwächung der Re-gierung durch Spaltung, mit Beseitigung der Verant-wortlichkeit durch Einführung der Kollegialität, mitstärkerer Herrschaft der Parlamentsmajorität, — meineHerren, damit würden wir das Reich nicht festigen. (Sehrrichtig! rechts.) Eine Festigung des Reiches suche ichin einem starken Kriegsheere, in guten Finanzen und inder Zufriedenheit der Reichsangehörigen (Bravo! rechts),aber auch der Reichsangehörigen in den verschiedenenorganischen Gebilden. Ich betrachte als Reichsangehörigeden preußischen Staat, den bayerischen Staat, ich be-trachte als Reichsangehörige die Bundesregierungen; undihrer aller Zufriedenheit herbeizuführen ist meines Er-achtens eine der Vorbedingungen für die Festigkeit desReiches, wenn schwere Krisen eintreten sollten.
Man hat bei der ersten Lesung als einen besonderenVorwurf der Monopolvorlage hervorgehoben, daß sieden Staat stärke. Man hat dabei wohl keine Neigunggehabt, auszusprechen, daß der Staat, um den es sichhier handelt, das Deutsche Reich ist; man hat vielleichtnicht den Mut gehabt, sich zu fürchten vor einer Stärkungdes Deutschen Reichs. Aber den Staat stärken, — ja,meine Herren, was heißt denn das? Ich fürchte, es