Herr v. Schorlemer-Alst und die Botschafterftaktion. 239
anbetrisft, den der Herr Reichskanzler geltend gemacht hat, nämlichdie Befürchtung, daß der betreffende Botschafter in Petersburg sagenwerde: ich trete zurück oder nehme lieber einen kleineren Posten —ja, meine Herren, da glaube ich, wenn der Botschafter in Peters-burg wirklich zu dem Entschlüsse käme, zurückzutreten, so würde derHerr Reichskanzler in der sogenannten Botschafterfraktionimmer einen entsprechenden Nachwuchs finden können." Unter „Bot-schafterfraktion" verstand der Redner die freikonservative Reichs-partei, aus welcher mehrere Mitglieder, die Abgeordneten FürstHohenlohe, Graf Stolberg-Wernigerode, Graf Münster, zu Botschaf-tern in Paris, Wien und London ernannt worden waren. DerFürst Bismarck antwortete:
Ich wollte nur dem Herrn v. Schorlemer auf seineAeußerung erwidern, daß alles, was er gesagt hat, fürdie Erhöhung auch bei London spricht, gegen die er ge-stimmt hat, und daß ich diese Argumente in Zukunftdort werde gebrauchen können.
Auf den Witz über die Botschafterfraktion, mit demer schloß, enthalte ich mich zu antworten, weil ich dieLogik und Anwendbarkeit hier wirklich gar nicht verstand.Ich habe viel logischere und hübschere Ausführungen schonvon ihm gehört, und ich muß sagen, wir sind aus dieserQuelle eine bessere Sorte gewöhnt. (Heiterkeit.)
Wenn der betreffende Beamte seinen Posten mit einemweniger wichtigen, aber nach den Ansprüchen auskömm-licheren vertauscht, wie sollte er dadurch in die sogenannteBotschafterfraktion gelangen! Wenn er sich zur Wahlstellen sollte, so könnte er jetzt ebensogut hineingewähltwerden, wäre im andern Fall auch nicht mehr Botschafter,sondern könnte höchstens in der Gesandtenfraktion sein,wenn eine solche erfunden wird.
Ich bin für Sticheleien, wenn sie irgend logisch sind,ja auch als Mitlacher gern empfänglich, aber diesethat mir wirklich leid. (Heiterkeit.)