Die Herbstsefswn des Reichstagesvon 1876.
1. Die russische Zollpolitik und die orientalische Frage.
6. Dezember 1876.
Der Reichskanzler Fürst v. Bismarck mar in der Mitte Juninach Kissingen zu einer Badekur gereist und dann nach Varzin ge-gangen, von wo er am 21. November nach Berlin zurückkehrte.Im Reichstage, dessen vierte Session der zweiten Legislaturperiodeam 30. Oktober eröffnet worden war, erschien er am 5. Dezember.An diesem Tage gelangte folgende Interpellation des AbgeordnetenEugen Richter zur Verhandlung:
„Durch einen vor wenigen Tagen erlassenen Mas hatdie russische Regierung angeordnet, daß von Neujahr ab dieEingangszölle in Gold zu entrichten sind. Diese Maßregel,welche einer sehr beträchtlichen Erhöhung der Zölle gleichkommt,ist geeignet, den ohnehin durch die bisherige russische Zoll-politik überaus beschränkten Warenaustausch mit Rußland nochmehr zu beeinträchtigen und dadurch die wirtschaftlichen Inter-essen auch des Deutschen Reiches schwer zu schädigen. Wasgedenkt der Herr Reichskanzler zum Schutz der deutschen In-dustrie in dieser Angelegenheit zu thun?"
Der Interpellant führte aus, daß diese so unvorhergeseheneund so rasch in Vollzug gesetzte Maßregel bei dem erheblichen Agioder Goldmünzen eine Erhöhung der Eingangszölle um inehr als