240 Die Frühjahrssession des Reichstages von 1877.
Der Abgeordnete v. Schorlemer entgegnete in persönlicherBemerkung: „Der Herr Reichskanzler hat mich dahin verstehenwollen, daß ich gesagt hätte, wenn der Botschafter in Petersburgabginge, dann könnte derselbe in die Botschafterfraktion eintreten.Ich habe gesagt, wenn der Botschafter in Petersburg abginge,würde der Herr Reichskanzler aus der Botschafterfraktion Ersatzfinden. Der Herr Reichskanzler thut mir leid, wenn erdiesen Witz nicht verstanden hat." (Heiterkeit.)
Die Zulage von 30000 Mark für den Botschafter in Peters-burg wurde mit 163 gegen 148 Stimmen bewilligt.
Der Reichskanzler, welcher sich infolge der anstrengenden undaufreibenden Thätigkeit der letzten Zeit in seiner Gesundheit sehrangegriffen fühlte, gab zu Anfang April, nachdem er noch an seinemGeburtstage (1. April) von allen Seiten die herzlichsten Glück-wünsche und Zeichen innigster Teilnahme erhalten hatte, dem Kaiserden dringenden Wunsch zu erkennen, von seiner amtlichen Stellungim Reiche und in Preußen entbunden zu werden. Der Kaiserlehnte das Entlassungsgesuch ab und bewilligte statt dessen einenlängeren Urlaub unter vollständiger Entbindung von aller Beteili-gung an den Geschäften. Der Reichskanzler verlebte den größtenTeil des Jahres in Varzin, Kissingen und Gastein.