Druckschrift 
8 (1889) Weitere Entwickelungen in Reich, Staat und Kirche 1875 - 1877
Entstehung
Seite
232
Einzelbild herunterladen
 

232 Die Frühjahrssession des Reichstages von 1877.

Angehörigen, Kinder und Witwen, haben bedauern lassen,daß die Herren nicht früher gegenüber der Unzulänglichkeitihrer Mittel aus der Stellung ausgetreten sind. InPetersburg ist der Botschafter in einer gewissen Repräsen-tationsnotwendigkeit; durch die enge Verbindung, in derer zum Hofe, zu dein nahe verwandten Hofe steht, unddurch die Notwendigkeit, im Anschluß an den Hof zuleben, durch den Mangel einer großen reichen Mittel-standsgeselligkeit, welche allenfalls das Leben der höchstenRegionen deckt und undurchsichtig macht, durch alle dieseMomente ist er gewissermaßen festgenagelt in einer Position,zu deren Bestreitung die Mittel, die er bisher hat, absolutnicht ausreichen. Ich habe über Petersburg eigne Er-fahrungen; ich weiß genau, was man da braucht, undweiß, wie die Preise seitdem gestiegen sind — in vielhöheren! Maße als in irgend einem andern Lande, näm-lich wohlverstanden die Preise für alles, was zum Luxusgehört. In Petersburg wiederholt sich dieselbe Erscheinung,die in allen den Gegenden, welche die Luxusartikel nichtselbst fabrizieren, ja erkennbar ist für den Reisenden, daßder Preis aller Gegenstände, die eigentlich zum Luxusgehören und die in einer großen Stadt vielfach zumVerbrauch kommen, unverhältnismäßig viel höher ist, alsder Preis der gewöhnlichen Lebensbedürfnisse — mankann sagen im Vergleich mit andern Gegenden um dasVier- bis Zehnfache. Das sind Sachen, die ich aus eignerErfahrung habe kennen lernen. Beispielsweise einen Rockmüssen Sie in Petersburg unverhältnismäßig viel teurerbezahlen, als irgendwo anders, während man nichtsagen kann, daß das Brot dort teurer sei. Im Gegenteil,das Brot ist dort vielleicht wohlfeiler; es wird aber dieseWohlfeilheit wieder aufgehoben durch die viel größere