Zum Kapitel der Nahrungsmittelverfälschung. 288
erst zu Ende zu führen. Sie hat auch, glaube ich,noch eine Bedeutung für die Gesetzgebung in Bezugauf die Besteuerung der Getränke und Nahrungsmittel,und kann uns wichtige Anhaltspunkte bei den Erwägun-gen bieten, die uns, wie ich hoffe, im nächsten Jahre be-vorstehen werden.
Vorderhand wünsche ich aber nur zu thun, was inden Kräften des Reichsgesundheitsamtes liegt, um dieSchäden, unter denen wir in dieser Beziehung leiden,klar zu legen vor der Öffentlichkeit, und bitte deshalbum Ihre Unterstützung bei Bewilligung der chemischenApparate.
Der Abgeordnete August Reichensperger äußerte daraufsein Bedauern, daß der Direktor des Reichsgesundheitsamtes beider Behandlung dieses Gegenstandes nicht anwesend sei, und drücktesodann seine Befriedigung darüber aus, daß der Reichskanzler sichso entschieden gegen die Verfälschung der Lebensmittel ausgesprochenhabe. Die Verfälscher hätten es bereits zu dem Grade von Scham-losigkeit gebracht, daß ein Geschäft für „Weinbouguet in Flaschen"Reklame mache, daß in Berlin in einem und demselben „Büreau"vier verschiedene Sorten Milch verkauft würden und dergl. Vonder Mehrbewilligung der 10000 Mark verspreche er sich nicht viel,diese Summe sei wohl nur der Lockvogel, der in immer größereAusgaben hineinziehen solle. Er sei der Ansicht, daß das Neichs-gesundheitsamt dem Krebsschaden, um den es sich handele, gegen-über keine durchgreifende Abhilfe leisten könne. Die freie Thätig-keit der Staatsbürger müßte hinzutrsten, etwa in jedem bedeuten-derem Arte ein Komitee, welches in Verbindung mit dem Kreis-physikus die Verfälschungen fortwährend ins Auge fasse. Wirsollten uns darin die Engländer zum Muster nehmen, die überallselbst Hand anlegen, ohne Besoldung, Diäten oder Remunerationenzu erhalten; aber freilich gehöre noch ein weiter Weg dazu, eheunsre Nation sich so heraufgebildet habe, wie die englische unterdem Schutze der politischen Freiheit. Der Reichskanzler gabzur Antwort:
sss.
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