194 Die Frühjahrssession des Reichstages von 1877.
wie die Abteilung für Elsaß-Lothringen von dem Grosdes Reichskanzleramts, so viel davon noch übrig ist, ab-gezweigt werden sollte. Der Name, der alles umfaßt,blieb ja übrig für die Finanzverwaltung und was dasHandelsministerium sein könnte, aber noch nicht ist. Wiealso das Reichskanzleramt für Elsaß-Lothringen abgetrenntwurde, so fand sich, daß der Unterstaatssekretär Herzog,der an der Spitze dieses Amts steht, nicht Mitglied desBundesrats war; also konnte er auch nicht den Vorsitzausüben in dem Bundesratsausschusse für Elsaß-Lothringen,wo ja doch seine Sachkunde tagtäglich ganz unentbehrlichwar. Es blieb also nichts andres übrig, als daß einpreußischer Beamter bewogen wurde, zurückzutreten, unddaß statt dessen dieser Reichsbeamte dafür eintrat.
Es hat ja das etwas Verführerisches, sich ein Reichs-ministerium zu denken, das im Reiche innerhalb derGrenzen und Kompetenzen, die die Verfassung dem Reichezumeist, dieselbe Machtvollkommenheit ausüben und die-selbe Verantwortlichkeit dem Reichstage gegenüber tragenwürde, wie ein Ministerium im Einzelstaate dies thutund trägt; aber ich glaube. Sie täuschen sich über dieEntwickelung, die das nehmen würde. Die Macht derStammeseinheit, der Strom des Partikularismus ist beiuns immer sehr stark geblieben; er hat an Stärke ge-wonnen, seitdem ruhige Zeiten eingetreten sind. Ichkann sagen, die Reichsflut ist rückläufig; wir gehen einerEbbe darin entgegen. Ich weiß nicht, ob ich es tadelnsoll, oder ob es ein gesunder, naturgemäßer Entwicklungs-gang ist. Es wird auch die Reichsflut wieder steigen.Man muß nur nicht annehmeu, daß in drei Jahren oderselbst in zehn Jahren alle diese Sachen fertig gemachtwerden können. Ueberlassen Sie unfern Kindern auch