Die Reichsminister.
193
Ministerpräsident zu sein, und habe mir gedacht, daßich als Reichskanzler stark genug sei. Ich habe michdarin vollständig geirrt; nach einem Jahre bin ich reue-voll wiedergekommen und habe gesagt: entweder will ichganz abgehen, oder ich will im preußischen Ministeriumdas Präsidium wieder haben. Das war auch ganz richtig,aber es genügte nicht. Ich war die einzige Person darin,und der Beweis gegen die Theorie der Reichsministerienliegt schon darin. Aber schneiden Sie mir die preußischeWurzel ab, und machen Sie mich allein zum Reichs-minister, so, glaube ich, bin ich so einflußlos, wie einandrer. Trennen Sie beides vollständig, also auch so,daß der Kaiser nicht gleichzeitig in seiner Eigenschaft alsKönig von Preußen die obersten Beamten des Reichs inden Bundesrat ernennt: da würde die natürliche Folgeschon sein, daß die Reichsbeamten überhaupt keine Mög-lichkeit haben, im Bundesrat zu sitzen. Was hat denneigentlich der König von Preußen für einen Beruf, demReichspostmeister, dem Chef der Abteilung für Elsaß-Lothringen und dem Chef des Reichsfinanzministeriums,des Reichskanzleramts, eine von den 17 preußischenStimmen zu leihen, während eine Menge preußische Be-amte sind, die vielleicht für rein preußische Interessenganz nützlich im Bundesrate wären. Da aber der Königvon Preußen zugleich Kaiser, sein Ministerpräsident zu-gleich Reichskanzler ist, so hat sich das von selbst gemacht,und es ist niemandem ausgefallen, der nicht mitunter inschlaflosen Nächten über die Logik davon nachdenkt, daßdie meisten preußischen Stimmen an hohe Reichsbeamtevergeben sind. Wenn Sie ein Reichsministerium sichdenken — das hat gar kein Recht, im Bundesrat über-haupt Sitz, zu nehmen. Ich bin in Verlegenheit gewesen.