160 Die Herbstsession des Reichstages von 1876.
dem Kaiser gestellte Aufgabe ist: dahin in dem diplo-matischen Verkehr zu wirken, daß womöglich die gutenBeziehungen, in denen wir zu den drei nächstbeteiligtenMächten sind, ungetrübt oder doch möglichst wenig ge-trübt aus dieser Krisis hervorgehen mögen, daß wir siepflegen sollen, wie wir können. Es könnte uns nur da-durch diese Aufgabe verdorben und gestört werden, wennirgend einer unsrer Freunde von uns verlangte, unsrestärkere Freundschaft zu ihm dadurch zu bethätigen, daßwir den andern Freund, der uns ebenfalls nichts gethanhat, der im Gegenteil unser Freund bleiben will, feind-lich behandeln und unsre stärkere Liebe zu dem einen be-weisen durch Haß gegen den andern. Es liegt das nichtaußerhalb der Möglichkeit. Wir sind in den Jahren1853, 1854, 1855 ähnlichen Zumutungen in einem Maßeausgesetzt worden, wo ich die Geduld unsres damaligenallergnädigsten Herrn bewundert habe, und wo meinepolitischen Ansichten mit denen meines damaligen Vor-gesetzten nicht immer zusammenfielen. Ich würde in seinerStelle die Versuche, uns für fremde Interessen aus Ge-fälligkeit oder aus Furcht vor Krieg in einen schädlichenKrieg mit andern zu treiben, — ich würde solche Ver-suche sehr entschlossen und in einer unangenehmen Weisezurückgewiesen haben, sollte ich auch schließlich ist die Lagegekommen sein, den Zutritt in der Pariser, der damaligenPariser Konferenz nicht mehr zu finden; es wäre unsgar nichts verloren gewesen, wenn wir nicht dabei ge-wesen wären. (Heiterkeit, sehr richtig!) Also dergleichenliegt nicht außer dem Bereich der Möglichkeit ; es geschahuns danials, und es hat schließlich doch die treue undfeste Gesinnung des damaligen Königs von Preußenseinem Volke gegenüber, das er in unnütze Kriege, in