Druckschrift 
8 (1889) Weitere Entwickelungen in Reich, Staat und Kirche 1875 - 1877
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158 Die Herbstsession des Reichstages von 1876.

fernt ist und vollkommen in einer solchen Lage — undwir sind darüber sehr genau unterrichtet —, daß dasDreikaiserbündnis noch heute seinen Namen im vollstenMaße verdient und sich im vollsten Bestände befindet.

Man würde aber sehr irren, wenn man darausschließen wollte, daß das Dreikaiserbündnis in sich eineSpitze gegen die dritte der hauptsächlich beteiligten Mächtein der orientalischen Frage, gegen England zu bildenbestimmt wäre. Wir haben mit England nicht minderals mit Rußland die Tradition einer hundertjährigenguten Beziehung, — die unter Umständen in dem öffent-lichen Gefühle ihre Momente der Erkaltung gehabt hat —ich kann wohl sagen, mehr einseitig auf englischer Seite;wir sind unfern ersten Neigungen in der Beziehung fastdurchgeh ends treu geblieben. Daß mitunter ein Preß-kampf zwischen beiden Völkern, gelegentlich, vorübergehend,stattfindet, das hindert nicht, daß die durch eine langeGeschichte bewährte Gemeinsamkeit mannigfacher Interessenund Meinungen zwischen uns und England auch für dieZukunft der Bürge des Einverständnisses ist.

Also wir haben uns in der orientalischen Frage eineAufgabe gestellt — und daraus, wenn ich sie charakterisiere,wird der Herr Interpellant zugleich entnehmen, daß inner-halb des Programms dieser Aufgabe die Zollfrage ansich keinen Platz hat, und daß er die Sache auseinanderhalten muß: Politik besonders und Zollfrage besonders.Wir haben in der Türkei selbst ja die Interessen, die ichvorher charakterisierte, der Sympathie mit unfern Mit-christen, und wenn der Herr Vorredner vorher ein vonihm selbst als apokryph behandeltes Gerücht anführte,daß ich gesagt haben soll, im ganzen Orient steckte keinInteresse, das so viel wert wäre, wie der Ertrag eines