154 Die Herbstsession des Reichstages von 1876.
es einen Zweck zur Ausführung bringen will, den wirselbst als den unsrigen erkennen, den wir mit Rußlandselbst als den unsrigen gefördert haben, und in Bezug aufwelchen wir bisher keinen Beweis haben, daß Rußland dieLinien, die der Zweck in sich selbst seiner Aktion zieht,überschreiten will; — wie gesagt, sollten wir da etwa nichtneutral bleiben? Wir können nicht in dem Augenblick,wo Rußland für allgemeine Zwecke seine Kräfte in Be-wegung setzt, uns drohend ihm gegenüberstellen; das wäreeine Thorheit, die der Herr Vorredner uns ja selbst nichthat zumuteu wollen.
Es geht also daraus logisch ganz klar hervor, —eine Sache, über die sich viele in der Welt täuschen, —daß Rußland an uns gar keine Ansprüche macht, für diewir irgend auf eine Reziprozität rechnen können; undwenn wir die Reziprozität etwa suchen wollten in Zoll-konzessionen, darin, daß wir das politische Gebiet und daswirtschaftliche vermengen wollten, — ja, meine Herren,zu welchen Ungeheuerlichkeiten kommen wir da?! Ich willgar nicht davon reden, daß mich das etwas an die Vor-fälle erinnern würde, die ich von den Inhabern gewisserGeschäfte auf dem Mühlendamm gehört, daß sie Händelsuchen mit denjenigen, die von ihnen nicht kaufen undauf der Straße vorübergehen (große Heiterkeit); — daßman uns auf diese Weise veranlassen möchte, Händel mitRußland zu suchen, weil es nicht von uns kauft, sondernsich durch hohe Zölle dagegen absperrt, ist ja ganz un-möglich; — ich will Ihnen näherliegende Beispiele mitbenannten Zahlen anführen. Nehmen Sie an, daß indem Moment, wo wir kriegerisch beschäftigt wären, oderwo uns kriegerische Verwickelungen drohten, Rußland unsgesagt hätte: Ja, ich will euch wohlwollend behandeln