Druckschrift 
8 (1889) Weitere Entwickelungen in Reich, Staat und Kirche 1875 - 1877
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

152

Die Herbstsession des Reichstages von 1876.

verzichten wolle. Und ich weiß nicht, wer ein Recht hat,den Versicherungen dieses Monarchen — namentlich inunserm Lande, dem er immer ein wohlwollender Freundund Nachbar gewesen ist, und von dem niemand behauptenkann, daß er uns je in irgend einer Richtung seine Zu-sage nicht auf das vollständigste gehalten hat — entgegen-zutreten und dieser Sachlage gegenüber nun plötzlich demPublikum den Verdacht unterzuschieben, als handle essich für Rußland um Eroberung neuer Provinzen, beider wir eine gewisse Konnivenz leisten. Rußland ver-langt von uns gar nichts, wofür wir unsrerseits irgendeinen Preis fordern könnten, und wenn es etwas der-artiges verlangte, so ist die Forderung von Preisen inder Politik immer etwas Mißliches. Man muß sich beidem, was man in der Politik will, immer nur nach demeignen Landesinteresse richten, nicht aber nach Preisen,die ein Fremder bietet. Wir werden die Politik, die wirmachen, aus eignem Interesse machen, und eine andrezu machen, werden wir uns durch keine Anerbietung be-stimmen lassen. Dergleichen liegt aber auch nicht vor.Rußland verlangt von uns nichts, als vorläufig und inerster Linie auf einer friedlichen Konferenz unsre Mit-wirkung zu einem Zwecke, der auch der unsrige ist, undder namentlich von Seiner Majestät dem Kaiser persön-lich und, wie ich glaube, mit Zustimmung der ganzenNation hochgehalten wird: zu einer besseren Stellung derChristen zu gelangen, welche die europäische Türkei be-wohnen, und zur Herbeiführung von Zuständen, bei denenwenigstens solche Vorgänge, wie die Metzeleien der Tscher-kessen in Bulgarien, nicht mehr zu den weiteren Wahr-scheinlichkeiten gehören; kurz die Sicherstellung der christ-lichen Unterthanen der Pforte gegen eine gelegentliche